18. Juli – ab in den Süden Alaskas

Frischer Kaffee zum Frühstück
Frischer Kaffee zum Frühstück

Die letzte Nacht haben wir geschlafen wir ein Murmeltier, obwohl es relativ kühl war. Kein Wunder nach den Strapazen des Vortages. Das Pannenerlebnis wollen wir schnell abhaken und freuen uns schon wieder auf neue Abenteuer. Frei nach dem Motto: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Auch heute sind wir wieder früh auf den Beinen. Einen Katzensprung von unserem Camper entfernt wartet bereits eine warme Dusche auf uns. Die sanitären Anlagen können sich sehen lassen. Alles befindet sich in einem gepflegten Zustand. Die Sonne zeigt sich am Horizont und es wird gleich wärmer. Es wird Zeit für einen frisch aufgebrühten Kaffee. Hmm, lecker! Dass wir in diesem Jahr keine Kaffeemaschine gekauft haben, stört uns kaum. Do it yourself ist dafür angesagt. Man gebe noch ein paar Bagels und Croissants hinzu und fertig ist das Frühstück. Voilà! Aber nicht ohne Nutella sagt Sev dazu.

Das Dumpen und Auffüllen von Frischwasser haben wir schon gestern erledigt. Leider spinnt der Sensor, deshalb werden die Abwassertanks im Kontrollfeld nicht ganz leer angezeigt. Es ist erst 8:30 Uhr, als wir mit unserem Camper den RV-Park verlassen und auf den Alaska Highway in Richtung Anchorage starten. Kaum sind wir auf den Tok Cut Off Highway abgebogen, drängt sich ein Reisebus vor uns auf die Straße. An so ein Sichthindernis sind wir seit Tagen nicht mehr gewöhnt und halten deshalb mehr Abstand, bis dieser am Horizont verschwunden ist. Nach Tok wird es spannend. Auf dem Alaska Highway geht es durch die Berge. Zur linken Seite hat man eine Aussicht auf die hohen Gebirgszüge des Wrangell und St.-Elias Nationalpark. Der Straßenzustand wird immer schlechter. Der Asphaltbelag ist an vielen Stellen brüchig. Trotz reduzierter Geschwindigkeit sind wir einem richtigen Schaukelmanöver ausgesetzt. Auch wenn die Wohnkabine getrennt vom Pick-up ist, sind Bewegungen von Gegenständen in der Wohnkabine nicht zu überhören. Hoffentlich gibt es keinen Schaden an der Einrichtung, ist unser Gedanke. Dafür ist der Ausblick auf die Landschaft mit den Bergen umso eindrucksvoller.

Glenn Highway – Byway To Heaven

Wrangell-St.Elias-Nationalpark
Wrangell-St.Elias-Nationalpark

Nach über zwei Stunden Schaukelpiste erreichen wir Glennallen, unsere Tank- und Rastpause. Sicherheitshalber schauen wir zuerst in die Wohnkabine und überprüfen, ob es Folgen auf unsere Einrichtung gegeben hat. Nach dem Öffnen der Eingangstür bekommen wir den ersten Schreck. Der Slideout lässt sich nicht herausfahren. Beim Blick in die Kabine folgt der nächste Schreck. Unser eigenes Plastikgeschirr ist aus dem Oberschrank gefallen und hat sich dabei in tausend Einzelteile zerlegt. Auch unsere Kleidung ist teilweise aus den Schränken aufs Bett geflogen. Sev quetscht sich zwischen die Küchenzeile und Sitzgruppe des Campers und stellt fest, dass der Kühlschrank ebenfalls seinen Geist aufgegeben hat. Für einen Moment schießt uns Adrenalin in den Kopf, bevor Nik eine Idee zur Ursache des Stromausfalls einfällt. Wenn es nur dieses kleine Problem ist, dann dürfen wir bald wieder aufatmen.

Vorsichtig öffnen wir die Klappe, hinter der sich die Batterie und Stromversorgung des Campers verbirgt. Und siehe da, die Sicherung ist wohl während der Fahrt rausgeflogen. Nach einem Fingerdruck funktioniert alles wieder, wie es sein soll. Was sind wir erleichtert. Schreck lass nach! Nach den Problemen am Vortag hätte uns da gerade noch gefehlt. Beim Ansteuern einer Tankstelle wird es erneut abenteuerlich. Dieses Mal nicht wegen der Straße, sondern durch einen großen Andrang von Fahrzeugen vor den Zapfsäulen. Es geht zu wie im wilden Westen. Anstatt nach Reihenfolge, sichern sich die Kunden lieber per Kreditkarte die Zapfsäule.

Glenn Hwy
Glenn Hwy
Tazlina Gletscher
Tazlina Gletscher
Nelchina Gletscher
Nelchina Gletscher

Das sorgt für allerlei Gebrüll an der Tankstelle. Irgendwann sind wir endlich an der Reihe. Während Nik fleißig am Tanken ist, führt Sev einen Small Talk mit dem Tankwart an der Kasse. Er interessiert sich über unseren Routenverlauf und unsere Herkunft. Sichtlich erleichtert setzen wir die Fahrt fort. Unser Weg führt uns über den Glenn Highway Richtung Westen. Ein letztes Mal halten wir am Straßenrand und blicken auf die mächtigen Berge des Wrangell und St.-Elias Nationalpark. Auch die Landschaft links der Straße sind nicht weniger beeindruckend. Zahlreiche Gletscher begleiten uns während der Fahrt. Der Glenn Highway ist ein National Scenic Byway. Obwohl wir die Straße bereits im Vorjahr befahren haben, sind wir immer noch begeistert. Es liegt wohl daran, dass wir dieses Mal Sonnenschein haben.

Matanuska Gletscher – hier offenbaren sich die Naturgewalten Alaskas

Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher

Nach einer Stunde erreichen wir den Matanuska Gletscher, den man im Truck-Camper schon von weiten erkennen kann. Es ist ein sehr langer und breiter Gletscher im südlichen Alaska an der Nordflanke der Chugach Mountain. Allein der Anblick von der Straße ist sehr eindrucksvoll. Hier offenbaren sich die Naturgewalten Alaskas. Wir halten an verschiedenen Aussichtspunkten und genießen die Aussicht auf den Gletscher, der sich durch das Tal windet. Wer mit dem passenden Schuhwerk ausgestattet ist, kann auf dem Edge Nature Trail eine Wanderung durch den Wald unternehmen. Der Wanderweg führt an verschiedenen Aussichtsplattformen vorbei bis zum Gletscher. Wir sparen uns den Fußweg bis zur Abbruchkante und fahren weiter zum nächsten Reiseziel. Der Highway schlängelt sich durch das Gebirge und wir kommen etwas langsamer voran.

Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher
Matanuska Gletscher

Oldtimertreffen im Alpine Historical Park

In einem Vorort von Palmer fällt uns am Straßenrand eine große Anzahl von Oldtimern ins Auge. Es versteht sich von selbst, dass wir daran nicht vorbeifahren, ohne anzuhalten. Nach den vielen Landschaftseindrücken sind die Autos verschiedener Epochen eine willkommene Abwechslung für uns. Es gibt sogar einen Opel GT zu bestaunen. Es ist wahrscheinlich der einzige Opel in Alaska, glauben wir jedenfalls.

Blue DEF – ohne Blau läuft es mehr schlecht als Recht

Auf dem Weg nach Palmer blinkt plötzlich eine Anzeige auf dem Armaturenbrett. Ohje! Was ist denn jetzt schon wieder los, brodelt es in unseren Köpfen. Die Ereignisse mit dem Camper lassen uns nicht los. Unser Fahrzeug benötigt dringend Blue DEF, das beim Dieselmotor zur Reduzierung der Stickoxide benötigt wird. Hatte uns der Vermieter nicht versichert, dass die Menge für die ganze Rundreise reichen würde. Die Warnanzeige meldet, dass wir die nächsten Kilometer nur noch 8 km/h fahren dürfen, wenn nicht bald Blue DEF aufgefüllt wird. Irgendwie hatten wir die Anzeige komplett übersehen. Bis nach Palmer sind es noch 80 Kilometer und eine Tankstelle ist weit und breit nicht in Sicht. Die Warnanzeige treibt uns Schweißperlen auf die Stirn, bis endlich eine Tankstelle auftaucht. Bingo! Ein ganzes Regal voller Kanister mit dem blauen Zeug steht direkt neben den Zapfsäulen. Der Preis liegt bei 16 Dollar pro Kanister. Erleichtert kippen wir die Flüssigkeit in die dafür vorgesehene Öffnung, die sich neben dem Tankstutzen befindet. Die Reise kann fortgesetzt werden.

Musk ox Farm – zu Hause bei zotteligen Moschusochsen

Musk Ox Farm, Palmer
Musk Ox Farm, Palmer

Als Nächstes folgt ein Besuch der Musk ox Farm, eine Moschusochsenfarm, die sich in der Nähe von Palmer befindet. Nach nicht einmal zehn Minuten Fahrt sind wir schon dort. Von der Farm haben wir in diversen Reiseführern gelesen und sind deshalb hier. Leider kommt man für einen Besuch der Tiere nicht um eine Führung herum, die eine halbe Stunde dauern soll. Eigentlich wollten wir nicht bis zur nächsten Tour warten, genießen es aber, mal nicht im Auto zu sitzen. Der Preis für den Fußmarsch zu den Tieren beträgt 10 Dollar pro Person. Es ist nicht unbedingt günstig, aber wegen der Tiere gut investiert. Bereits nach wenigen Minuten startet die nächste Tour. Eine junge Frau ist unser Guide und erklärt uns alles, was man über die Moschusochsen wissen sollte oder besser gesagt nicht alles wissen muss. Die zotteligen Tiere sind Wolllieferanten.

Musk Ox Farm, Palmer
Musk Ox Farm, Palmer
Musk Ox Farm, Palmer
Musk Ox Farm, Palmer
Musk Ox Farm, Palmer
Musk Ox Farm, Palmer

Das wollige Unterfell ist federleicht, verliert beim Waschen nicht seine Form und hält bis zu acht mal wärmer als Schafswolle. Die Ochsen wurden einst aus Grönland umgesiedelt, um eine Einnahmequelle für die Ureinwohner zu schaffen. Wir stehen den arktischen Bewohnern hautnah gegenüber. Man merkt schnell, dass die Tiere an Menschen gewöhnt sind. Trotzdem ist das Bücken oder Knien während des Rundgangs verboten, was Nik beim Fotografieren schnell vergisst. Dafür bekommt er Ärger. Die Jungtiere lassen sich sogar füttern. Trotz der ausführlichen Runde hat uns der Ausflug gut gefallen.

Lake Hood – der größte Wasserflugzeughafen der Welt

Zurück auf dem Alaska Highway erreichen wir gegen 17 Uhr die größte Stadt Alaskas, Anchorage. Es ist noch nicht spät und wir entscheiden uns, Lake Hood im Südwesten von Downtown anzuschauen. Es ist der größte Wasserflughafen der Welt, der unmittelbar am internationalen Airport liegt. Mit dem Camper sind wir relativ schnell dort. Egal ob an Land oder im Wasser. Was hier an Propellermaschinen startet und landet, ist beeindruckend. An Spitzentagen kommt es im Sommer bis zu tausend Starts und Landungen. Die Straßen am außergewöhnlichen Flughafen teilt man sich quasi mit den Flugzeugen. An Land oder im Wasser reihen sich die Buschtaxis nebeneinander. Überall steigt einem der Geruch von Treibstoff in die Nase. Dieses Spektakel muss man unbedingt erleben, wenn man in Anchorage unterwegs ist.

Creekwood Inn RV Park – Campingplatz mitten in Anchorage

Creekwood Inn RV Park
Creekwood Inn RV Park

Als wir anschließend am Eagle River Campground eintreffen, hat dieser bereits geschlossen. Unglaublich, dass die RV-Parks der Stadt schon um 16 Uhr schließen. Auf ein Formular an der Pinnwand mit unserer Kreditkartennummer verzichten wir gerne. Dafür vermitteln uns die Menschen in ihren Behausungen auf dem Platz keinen vertrauenswürdigen Eindruck. Ein Ersatz ist zum Glück schnell gefunden. Der Creekwood Inn Park liegt zwar direkt am Seward Highway, hat aber noch freie Plätze. 50 Dollar inklusiv Dumping, Strom, Wasser und WIFI kostet uns die Nacht. Die Plätze liegen zwar dicht beieinander, aber für eine Nacht soll uns das nicht stören. Auch hier befinden sich die sanitären Anlagen in einem guten und sauberen Zustand. Der Lärm der Hauptstraße hält sich in Grenzen. Es ist schon spät und wir zaubern uns einen Salat mit Hähnchenfleisch aus der Pfanne. Anschließend fallen wir müde ins Bett.