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Top of the World Highway Reisebericht

Top of the World Highway Reisebericht

64° 4′ N, 141° 53′ W

Top of the World Highway – einsame Gebirgsstraße des Norden

Heute ist ausnahmsweise Ausschlafen angesagt. Als wir aufwachen, haben die meisten Camper das Tok RV Village bereits verlassen. Jetzt heißt es ab unter die Dusche. Die Sanitäranlagen des RV-Parks befinden sich praktischerweise direkt gegenüber. Dort haben wir die Duschen fast für uns allein. Beim Frühstück entscheiden wir uns, aufgrund des guten Wetters über Chicken und den Top of the World Highway nach Dawson City zu fahren.

Natürlich nicht ohne Grund. Unser gemeinsamer Wunsch ist es einmal im hohen Norden von Amerika nach Gold zu suchen, mit einer richtigen Goldwaschpfanne versteht sich. Im Vorjahr hatten wir aufgrund starker Regenschauer darauf verzichtet. Gegen 10 Uhr morgens sind wir startklar! Nachdem alle Sachen verstaut sind und Sev die Stellplatzmiete im Büro des RV-Parks bezahlt hat, rollen wir auf den Alaska Highway. An einer Tankstelle wird erst mal vollgetankt.

Chicken, Alaskas verrücktestes Goldsuchernest

Unser nächstes Abenteuer beginnt. Das erste Zwischenziel ist Chicken in Alaska, das nicht weit von Tok entfernt liegt. Bereits nach 20 Minuten Autofahrt biegen wir auf den Taylor Highway in Richtung Norden ab. Die Straße nach Chicken ist größtenteils asphaltiert, befindet sich aber in keinem guten zustand. Rauf und runter rauschen wir durch bewaldete Täler.

Der Highway gehört uns fast allein. Nur wenige Fahrzeuge begegnen uns auf dem Weg zum nördlichsten Punkt der Reise. Der Wetterbericht scheint Wort zu halten, denn wir werden von viel Sonne und blauem Himmel begleitet. Mittlerweile hat sich der Asphaltbelag von uns verabschiedet und wir finden uns auf einer Schotterpiste wieder.

Der kleine Ort Chicken ist zweifelslos Alaskas verrücktestes Goldsuchernest. Tausende von Reisenden können sich nicht irren. Die Gemeinde Chicken, die auf dem Weg von Tok über den spektakulären Top of the World Highway nach Dawson City im Yukon liegt, bietet alles für den perfekten Zwischenstopp, aber keine lebenden Hühner.

Alles scheint irgendwie außergewöhnlich oder besser gesagt verrückt zu sein. Das erste Ziel lautet Chicken Creek Outpost, das unmittelbar am Taylor Highway liegt. Wir sind nicht ohne Grund hier. Alles, was wir benötigen, ist eine Goldwaschpfanne und eine Karte, die anzeigt, wo es sich lohnt, nach Gold zu suchen.

Die nette Dame an der Kasse drückt uns gleich beides in die Hände. Die Plastikpfanne Made in China kostet uns immerhin ganze 9 Dollar. Es klingt zwar seltsam, aber die meisten Claims sind fest vergeben. Wir wollen uns keinen Ärger einhandeln und halten uns an die Karte, die anzeigt, wo wir Gold suchen dürfen.

Es ist der legendäre Fluss Jack Wade Creek. Beim Verlassen des Geschäftes wünscht uns die nette Verkäuferin noch viel Glück bei der Goldsuche. Hoffnungsvoll machen wir uns auf den Weg zurück zum Truck Camper. Neben der Outpost befindet sich das Chicken Creek Cafe. Unterwegs gibt es viele verrückte Dinge zu beobachten.

Jack Wade Creek – Suchtgefahr beim Goldwaschen

Alles scheint heute zu passen, besonders das schöne Wetter. Denn ohne Sonne glitzert das Gold im Fluss nicht wirklich. Am Jack Wade Creek angekommen, sind wir so gut wie allein. Nur ein Fahrzeug begegnet uns. Unser Bauchgefühl sagt uns, zwischen der Mile 84 und 85 nach Gold zu suchen. Parken kann man am Fluss übrigens überall.

Als Erstes darf Sev ihr Glück versuchen. Es wäre doch gelacht, ohne Gold nach Hause zu fahren. Das notwendige Werkzeug halten wir bereits in unseren Händen. Tatsächlich, überall glänzt und glitzert es mächtig im Fluss. Was allerdings auf den Steinen nach Gold aussieht, erweist sich schnell als Flitter, Metallspäne, was als sicherer Hinweis für größere Goldvorkommen gilt. Dabei ist die Feststellung nicht so schwer, wie es aussieht. Gold ist Metall und demnach schwerer als Stein. 

Deshalb verstecken sich die Goldnuggets beim Schürfen meistens unter den Steinen. Unser Puls rennt. Jetzt gilt, es nur noch an der richtigen Stelle zu suchen. Abwechselnd schürfen wir, was die Schüssel hergibt. Nach und nach kommen die ersten Goldnuggets zum Vorschein. Die sind so klein, dass man sie kaum greifen kann. Trotzdem sind wir stolz auf unseren Pfund. Immerhin nehmen wir ab sofort drei kleine Goldnuggets mit auf die Reise bis nach Hause. An anderen Stellen ist die Suche aber erfolglos.

Damals haben die Menschen die Nuggets noch mit der Hand aus dem Wasser gewaschen. Heute findet man nur noch das bisschen Gold, das von der Strömung aus dem Boden gewaschen wurde und vom Fluss mitgerissen wurde. Nach fast zwei Stunden brechen wir die Suche ab und geben uns mit dem zufrieden, was wir gefunden haben. Auf eines solltet ihr Euch gefasst machen. Der Spaß bringt bereits nach wenigen Minuten einen Suchtfaktor mit sich, bei dem man nur noch schwer aufhören kann!

Poker Creek – Nordamerikas nördlichster Grenzübergang

Es ist bereits 15 Uhr und wir müssen es noch bis nach Dawson City schaffen. Der Grenzübergang Little Gold Creek Border Crossing ist nur noch eine halbe Autostunde entfernt. An der Grenzkontrolle sind wir fast allein. Nur ein paar Fahrradtouristen kreuzen unseren Weg. Vorher machen wir noch ein Erinnerungsfoto vom Schild von Alaska.

Die Grenzstation besteht anscheinend nur aus einem Gebäude für Kanada und die USA. Der Beamte darin scheint im einsamen Norden nicht sehr fröhlich zu sein und zieht eine ernste Miene.

Er bittet um unsere Pässe und fragt, ob wir nach Alaska zurückkehren werden. Als wir ihm mit nein antworten, entfernt er die Registrierungskarten aus den Pässen und wünscht uns eine gute Weiterreise.

Wie schnell ein Grenzübertritt zwischen Kanada und den USA sein kann, das kann man nur hier erleben. Auf der kanadischen Seite folgt das nächste Erinnerungsfoto vom legendären Schild des Yukons.

Top of the World Highway – wo sich Wölfe und Bären gute Nacht sagen

Ab sofort folgen wir dem Top of the World Highway nach Dawson City. Unmittelbar nach dem Grenzübergang gibt es einen Hügel mit zahlreichen Inuksuk, die aus aufeinandergestapelten Steinen bestehen. Inuksuk sind Steingebilde von Ureinwohnern, die als Schriftzeichen genutzt wurden.

Auf der Spitze des Hügels angekommen, bekommt man einen tollen Ausblick auf die Landschaft jenseits des Highways. Unterwegs erwartet uns ein ungeplanter Zwischenstopp. Eine Herde Karibus versperrt uns den Weg. Die Straße befindet sich an einem Abhang und die Tiere wissen nicht, wo sie hin sollen.

Für uns kommt der Moment wie gerufen, besser kann man die Rentiere nicht beobachten. Sie laufen kreuz und quer über die Straße, bis das Leittier Minuten später endlich einen Ausweg gefunden hat. Karibus gehören zu den Wandertierarten, die fast immer in Bewegung riesige Strecken zurücklegen.

Reisetipp – Wohnmobil

Große Fahrzeugvermieter in Alaska verbieten oft die Benutzung des Top of the World oder Dempster Highway. Achtet bitte bei der Reservierung auf eventuelle Einschränkungen. Falls ihr in Alaska keinen passenden Vermieter findet, der diese Strecke zulässt, solltet ihr die Reise in Whitehorse beginnen. Die Fahrzeugvermieter dort erlauben es in der passenden Fahrzeugkategorie.

Dawson City – Zeit für das Beste

Die Reise geht weiter und wir folgen der endlosen Schotterpiste Richtung Osten bis nach Dawson City. Von nun an sind wir die meiste Zeit allein unterwegs. Gerade mal eine Handvoll Autos kommen uns auf der gesamten Strecke entgegen. An der Kreuzung zur Sunnydale Road können wir die Stadt und den Yukon River von einem Hügel aus erkennen. Vor uns liegt Dawson City, die wohl berühmteste Stadt in der Zeit des Goldrausches.

George Black Ferry – kostenlose Fährfahrt über den Yukon

Am Ende der Straße müssen wir nur noch mit der Fähre über den Fluss. Am Fähranleger angekommen, müssen wir warten. Die George Black Ferry hat gerade auf der anderen Seite des Yukon River angelegt. Außer uns und einem weiteren Wohnmobil gibt es momentan nur Fußgänger, die den Fluss überqueren wollen.

Es herrscht nicht viel Betrieb und deshalb gibt es keine lange Wartezeit. Eine halbe Stunde später ist es endlich so weit. Nachdem alle Fahrzeuge von der Fähre herunter sind, dürfen wir als erstes an Board fahren. Aussteigen darf man leider nicht, dafür ist die Überfahrt kostenlos.

Wir setzen zum anderen Ufer über und lassen den Top of the World Highway hinter uns. Es ist die einzige Fähre weit und breit, die über den Fluss führt. Schon nach 10 Minuten Fahrt legen wir im Zentrum von Dawson City an und dürfen weiterfahren.

The Aurora Inn – Jägerschnitzel nach Yukon-Art

Wir haben einen Bärenhunger aber heute keine lust zum Kochen. Im Aurora Inn einen Platz auf der Sonnenterrasse. Als Gericht haben wir uns ein Jägerschnitzel mit Pommes ausgesucht. Dass Nik sich dazu ein Yukon Gold bestellt, versteht sich von selbst. Es ist bereits 20 Uhr und die Sonne brennt so stark, dass man es kaum aushalten kann. Das Essen schmeckt vorzüglich, wie bei uns in Europa. Kein Wunder, denn das Hotelrestaurant ist unter Schweizer Führung. Als Dessert gibt es Schoko-Brownie mit Vanilleeis.

 
 

Bonanza Gold Motel & RV Park – guter Ausgangspunkt für Ausflüge

Jetzt fehlt uns nur noch ein Campingplatz für die Nacht. Leider ist der Gold Rush Campground im Zentrum voll belegt. Uns bleibt nur noch ein RV Park am Rand der Stadt übrig. Lange müssen wir nicht überlegen, als uns der Bonanza RV Park wieder einfällt, den wir bereits im Vorjahr aufgesucht hatten. Dort angekommen haben wir großes Glück. Es gibt noch wenige freie Plätze. Nur 25 Dollar inklusiv Dumping, Strom, Wasser und WIFI kostet uns die Nacht. Unser Stellplatz ist so eng, dass wir kaum Platz zum Einparken haben. Der Grund dafür ist ein ausgefahrener Slide-Out unseres Nachbarn. Dicht an dicht gedrängt stehen alle Camper in Reihe und Glied. Mit idyllischem Camping hat das nur wenig gemeinsam. Der Bonanza Gold RV Park hat zwar keine idyllische Lage, ist aber ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge.

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