23. Juli – Chicken, Alaskas verrücktestes Goldsuchernest

Taylor Hwy, Alaska
Taylor Hwy, Alaska

Heute ist ausnahmsweise Ausschlafen angesagt. Als wir aufwachen, haben die meisten Camper das Tok RV Village bereits verlassen. Jetzt heißt es ab unter die Dusche. Die Sanitäranlagen des RV-Parks befinden sich praktischerweise direkt gegenüber. Dort haben wir die Duschen fast für uns allein. Beim Frühstück entscheiden wir uns, aufgrund des guten Wetters über Chicken und den Top of the World Highway nach Dawson City zu fahren. Natürlich nicht ohne Grund. Unser gemeinsamer Wunsch ist es einmal im hohen Norden von Amerika nach Gold zu suchen, mit einer richtigen Goldwaschpfanne versteht sich. Im Vorjahr hatten wir aufgrund starker Regenschauer darauf verzichtet. Gegen 10 Uhr morgens sind wir startklar! Nachdem alle Sachen verstaut sind und Sev die Stellplatzmiete im Büro des RV-Parks bezahlt hat, rollen wir auf den Alaska Highway. An einer Tankstelle gegenüber wird erst mal vollgetankt.

Unser nächstes Abenteuer beginnt. Das erste Zwischenziel ist Chicken in Alaska, das nicht weit von Tok entfernt liegt. Bereits nach 20 Minuten Autofahrt biegen wir auf den Taylor Highway in Richtung Norden ab. Die Straße nach Chicken ist größtenteils asphaltiert, befindet sich aber in keinem guten zustand. Rauf und runter rauschen wir durch bewaldete Täler. Der Highway gehört uns fast allein. Nur wenige Fahrzeuge begegnen uns auf dem Weg zum nördlichsten Punkt der Reise. Der Wetterbericht scheint Wort zu halten, denn wir werden von viel Sonne und blauem Himmel begleitet. Mittlerweile hat sich der Asphaltbelag von uns verabschiedet und wir finden uns auf einer Schotterpiste wieder. Gegen Mittag erreichen wir bereits Chicken. Der kleine Ort ist zweifelslos Alaskas verrücktestes Goldsuchernest. Tausende von Reisenden können sich nicht irren. Die Gemeinde Chicken, die auf dem Weg von Tok über den spektakulären Top of the World Highway nach Dawson City im Yukon liegt, bietet alles für den perfekten Zwischenstopp, aber keine lebenden Hühner. Alles scheint irgendwie außergewöhnlich oder besser gesagt verrückt zu sein.

Das erste Ziel lautet Chicken Creek Outpost, das unmittelbar am Taylor Highway liegt. Wir sind nicht ohne Grund hier. Alles, was wir benötigen, ist eine Goldwaschpfanne und eine Karte, die anzeigt, wo es sich lohnt, nach Gold zu suchen. Die nette Dame an der Kasse drückt uns gleich beides in die Hände. Die Plastikpfanne Made in China kostet uns immerhin ganze 9 Dollar. Es klingt zwar seltsam, aber die meisten Claims sind fest vergeben. Wir wollen uns keinen Ärger einhandeln und halten uns an die Karte, die anzeigt, wo wir Gold suchen dürfen. Es ist der legendäre Fluss Jack Wade Creek. Beim Verlassen des Geschäftes wünscht uns die nette Verkäuferin noch viel Glück bei der Goldsuche. Hoffnungsvoll machen wir uns auf den Weg zurück zum Truck Camper. Unmittelbar neben der Outpost befindet sich das Chicken Creek Cafe. Das lang gestreckte Gebäude besteht aus einem vollgestopften Souvenirladen, einem Spirituosengeschäft, einem Saloon und einem Restaurant. Es gibt viele verrückte Dinge zu beobachten. Von der Bar bis zum WC ist alles sehr skurril gehalten. Uns kommen die zahlreichen Fotomotive wie gerufen. Danach fahren wir weiter zum Abenteuerspielplatz am Goldfluss.

Jack Wade Creek – Suchtgefahr beim Goldwaschen!

Jack Wade Creek, Alaska
Jack Wade Creek, Alaska

Alles scheint heute zu passen, besonders das schöne Wetter. Denn ohne Sonne glitzert das Gold im Fluss nicht wirklich. Am Jack Wade Creek angekommen, sind wir so gut wie allein. Nur ein Fahrzeug begegnet uns. Unser Bauchgefühl sagt uns, zwischen der Mile 84 und 85 nach Gold zu suchen. Parken kann man am Fluss übrigens überall. Als Erstes darf Sev ihr Glück versuchen. Es wäre doch gelacht, ohne Gold nach Hause zu fahren. Das notwendige Werkzeug halten wir bereits in unseren Händen. Tatsächlich, überall glänzt und glitzert es mächtig im Fluss. Was allerdings auf den Steinen nach Gold aussieht, erweist sich schnell als Flitter, Metallspäne, was als sicherer Hinweis für größere Goldvorkommen gilt. Dabei ist die Feststellung nicht so schwer, wie es aussieht. Gold ist Metall und demnach schwerer als Stein. Deshalb verstecken sich die Goldnuggets beim Schürfen meistens unter den Steinen.

Goldnugget
Goldnugget
Jack Wade Creek
Jack Wade Creek
Jack Wade Creek
Jack Wade Creek

Unser Puls rennt. Jetzt gilt, es nur noch an der richtigen Stelle zu suchen. Abwechselnd schürfen wir, was die Schüssel hergibt. Nach und nach kommen die ersten Goldnuggets zum Vorschein. Die sind so klein, dass man sie kaum greifen kann. Trotzdem sind wir stolz auf unseren Pfund. Immerhin nehmen wir ab sofort drei kleine Goldnuggets mit auf die Reise bis nach Hause. Die Suche an weiteren Stellen des Flusses bleibt allerdings erfolglos. Damals haben die Menschen die Nuggets noch mit der Hand aus dem Wasser gewaschen. Heute findet man nur noch das bisschen Gold, das von der Strömung aus dem Boden gewaschen wurde und vom Fluss mitgerissen wurde. Nach fast zwei Stunden brechen wir die Suche ab und geben uns mit dem zufrieden, was wir gefunden haben. Auf eines solltet ihr Euch gefasst machen. Der Spaß bringt bereits nach wenigen Minuten einen Suchtfaktor mit sich, bei dem man nur noch schwer aufhören kann!

Taylor Hwy, Alaska
Taylor Hwy, Alaska

Poker Creek – Nordamerikas nördlichster Grenzübergang

Top of the World Hwy, Alaska
Top of the World Hwy, Alaska

Es ist bereits 15 Uhr und wir müssen es noch bis nach Dawson City schaffen. Der Grenzübergang Little Gold Creek Border Crossing ist nur noch eine halbe Autostunde entfernt. An der Grenzkontrolle sind wir fast allein. Nur ein paar Fahrradtouristen kreuzen unseren Weg. Vorher machen wir noch ein Erinnerungsfoto vom Schild von Alaska. Die Grenzstation besteht anscheinend nur aus einem Gebäude für Kanada und die USA. Der Beamte darin scheint im einsamen Norden nicht sehr fröhlich zu sein und zieht eine ernste Miene. Er bittet um unsere Pässe und fragt, ob wir nach Alaska zurückkehren werden. Als wir ihm mit nein antworten, entfernt er die Registrierungskarten aus den Pässen und wünscht uns eine gute Weiterreise. Wie schnell ein Grenzübertritt zwischen Kanada und den USA sein kann, das kann man nur hier erleben. Auf der kanadischen Seite folgt das nächste Erinnerungsfoto vom Schild des Yukon.

Top of the World Highway – einsame Straße des Nordens

Ab sofort folgen wir dem Top of the World Highway nach Dawson City. Unmittelbar nach dem Grenzübergang gibt es einen Hügel mit zahlreichen Inuksuk, die aus aufeinandergestapelten Steinen bestehen. Inuksuk sind Steingebilde von Ureinwohnern, die als Schriftzeichen genutzt wurden. Auf der Spitze des Hügels angekommen, bekommt man einen tollen Ausblick auf die Landschaft jenseits des Highways. Zurück auf der Straße erwartet uns ein ungeplanter Zwischenstopp. Eine Herde Karibus versperrt uns den Weg. Dass sich der Top of the World Highway an einem Abhang befindet, wissen die Tiere nicht so recht, wo sie hin sollen. Für uns kommt der Moment wie gerufen, besser kann man die Rentiere nicht beobachten. Sie laufen kreuz und quer über die Straße, bis das Leittier Minuten später endlich einen Ausweg gefunden hat. Karibus gehören zu den Wandertierarten, die fast immer in Bewegung riesige Strecken zurücklegen.

Reisetipp – Wohnmobil

Große Fahrzeugvermieter in Alaska verbieten oft die Benutzung des Top of the World oder Dempster Highway. Achtet bitte bei der Reservierung auf eventuelle Einschränkungen. Falls ihr in Alaska keinen passenden Vermieter findet, der diese Strecke zulässt, solltet ihr die Reise in Whitehorse beginnen. Die Fahrzeugvermieter dort erlauben es in der passenden Fahrzeugkategorie.

Dawson City – verschlafenes Goldgräbernest in Kanadas Wildnis

Die Reise geht weiter und wir folgen der endlosen Schotterpiste Richtung Osten bis nach Dawson City. Immer wieder legen wir eine Pause ein, um die Landschaft bei schönem Wetter zu genießen. Von nun an sind wir die meiste Zeit allein unterwegs. Gerade mal eine Handvoll Autos kommen uns auf der gesamten Strecke entgegen. Nach über hundert Kilometern Fahrtstrecke haben wir es endlich geschafft und erreichen gegen 18 Uhr Dawson City. Rechts der Straße befindet sich das Willkommensschild der Stadt. Dawson City ist nicht mehr weit. An der Kreuzung zur Sunnydale Road können wir die Stadt und den Yukon River von einem Hügel aus erkennen. Vor uns liegt Dawson City, die wohl berühmteste Stadt in der Zeit des Goldrausches. Es ist ein legendäres Ziel unserer Reise durch den Yukon.

Sunnydale Road, Dawson City
Sunnydale Road, Dawson City

George Black Ferry – kostenlose Fährfahrt über den Yukon

Fähre  Dawson City
Fähre Dawson City

Am Ende der Straße müssen wir nur noch mit der Fähre über den Fluss. Am Fähranleger angekommen, müssen wir warten. Die George Black Ferry hat gerade auf der anderen Seite des Yukon River angelegt. Außer uns und einem weiteren Wohnmobil gibt es momentan nur Fußgänger, die den Fluss überqueren wollen. Es herrscht nicht viel Betrieb und deshalb gibt es keine lange Wartezeit. Eine halbe Stunde später ist es endlich soweit. Nachdem alle Fahrzeuge von der Fähre herunter sind, dürfen wir als erstes an Board fahren. Aussteigen darf man leider nicht, dafür ist die Überfahrt kostenlos. Wir setzen zum anderen Ufer über und lassen den Top of the World Highway hinter uns. Es ist die einzige Fähre weit und breit, die über den Fluss führt. Schon nach 10 Minuten Fahrt legen wir im Zentrum von Dawson an und dürfen weiterfahren.

The Aurora Inn – Jägerschnitzel nach Yukon-Art

Aurora Inn, Dawson City
Aurora Inn, Dawson City

Wir haben einen Bärenhunger aber heute keine lust zum Kochen. Uns fehlt nur noch ein passendes Restaurant. Das Klondike Kate’s können wir abhaken. Dort stehen die Kunden bereits in einer Warteschlange vor der Tür. Dafür bekommen wir im Aurora Inn sogar einen Platz auf der Sonnenterrasse. Kaum haben wir Platz genommen, kommt eine deutschsprachige Kellnerin zu uns an den Tisch. Als Gericht haben wir uns ein Jägerschnitzel mit Pommes ausgesucht. Dass Nik sich dazu ein Yukon Gold bestellt, versteht sich von selbst. Es ist bereits 20 Uhr und die Sonne brennt so stark, dass man es kaum aushalten kann. Das Essen schmeckt vorzüglich, wie bei uns in Europa. Kein Wunder, denn das Hotelrestaurant ist unter Schweizer Führung. Als Dessert gibt es Schoko-Brownie mit Vanilleeis, natürlich zu zweit. Genauso haben wir uns das gewünscht. Mit vollem Bauch spazieren wir zurück zum Camper.

Aurora Inn, Dawson City
Aurora Inn, Dawson City
Aurora Inn, Dawson City
Aurora Inn, Dawson City
Aurora Inn, Dawson City
Aurora Inn, Dawson City

Bonanza Gold Motel & RV Park – taghelle Sommernächte gratis

Bonanza Gold Motel & RV Park
Bonanza Gold Motel & RV Park

Jetzt fehlt uns nur noch ein Campingplatz für die Nacht. Leider ist der Gold Rush Campground im Zentrum voll belegt. Uns bleibt nur noch ein Stellplatz am Rand der Stadt übrig. Lange müssen wir nicht überlegen, als uns der Bonanza RV Park wieder einfällt, den wir bereits im Vorjahr aufgesucht hatten. Dort angekommen haben wir großes Glück. Es gibt noch wenige freie Plätze. Nur 25 Dollar inklusiv Dumping, Strom, Wasser und WIFI kostet uns die Nacht. Unser Stellplatz ist so eng, dass wir kaum Platz zum Einparken haben. Der Grund dafür ist ein ausgefahrener Slide-Out unseres Nachbarn. Dicht an dicht gedrängt stehen alle Camper in der Reihe. Mit idyllischem Camping hat das nur wenig gemeinsam. Den Rest des Abends verbringen wir damit, den Sand vom äußeren und inneren des Campers zu entfernen. Als wir mit der Aufgabe fertig sind, ist es bereits Mitternacht und immer noch taghell. Good night!