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Atlin Reisebericht

Atlin Reisebericht

59° 34′ N, 133° 42′ W

Atlin – malerische Idylle am Juwel des Nordens

Anstatt einer festen Route zu folgen, lassen wir uns lieber vom Wetterbericht leiten und folgen der Sonne. Die Natur und das Wetter sind ein unkalkulierbarer Faktor, anders als in weiten Teilen Nordamerikas. Die Sommer sind zwar sonnig und warm, das Wetter kann schnell umschlagen. In Atlin soll es sonnig und warm werden. Also nichts wie hin! Der kleine Ort im Norden von British Columbia ist nur 160 Kilometer südlich von Whitehorse entfernt.

Die einzige Straße nach Atlin führt bei Jakes Corner vom Alaska Highway über die Tagish Road. Die letzten 90 Kilometer auf der Atlin Road sind ungeteert und unbefestigt. Wir haben Glück mit dem Wetter! Regen würde uns auf dieser Piste sonst noch mehr Fahrgeschicklichkeit abverlangen. Die Straße führt schnurgerade durch schier endlose Wälder, manchmal weit geschwungen am Atlin See entlang durch eine Berglandschaft, die lang und wenig befahren ist.

Am Ende der Straße landen wir in einem ehemaligen Goldgräbernest, das sich Atlin nennt. Auf den ersten Blick könnte man vermuten, in einer Geisterstadt der Goldrauschzeit angekommen zu sein. Die malerische Idylle am See umrahmt von hohen Bergen machen Atlin zu einem Juwel des Nordens. Dieser Ort entspricht dem Klischee von einem Leben mitten im Busch.

Das ist unser kanadischer Traum. Wer hat nicht von einsamen Indianern oder Trappern geträumt, vor allem in der Wildnis. Nur wenige Touristen verirren sich hierher, die kleine Siedlung am Atlin Lake wirkt fast menschenleer. Neben Indianern, Trappern, Buschpiloten, Goldsuchern, Künstlern und Hippies stellen die rund 400 Einwohner eine bunte Mischung dar.

Auf dem See können wir sogar Wasserflugzeuge beim Starten und Landen beobachten. Es sind Buschflugzeuge, die Taxis des Nordens. Das verschlafende Nest hat mehr zu bieten, als man glaubt. Während die Sonne immer mehr zwischen den Wolken scheint, genießen wir die Eindrücke in Atlin. Es versteht sich von selbst, dass wir hier übernachten werden.

Atlin – aus der Zeit des Goldrausches

Der Reiz des kleinen Ortes liegt vor allem an den historischen Gebäuden aus der Zeit des Goldrausches. Man fühlt sich sofort in die Vergangenheit versetzt. Atlin ist deshalb perfekt für einen Spaziergang in Form einer Entdeckungsreise geeignet. Als 1898 am Pine Creek Gold entdeckt wurde, schwoll das Dorf zu einer Stadt von 10.000 Goldgräbern an. Bereits ein Jahr später war Atlin das Juwel des Nordens. Es gab Banken, Geschäfte, Hotels, Saloons, eine Brauerei und ein Postamt.

Schon nach wenigen Jahren ging der Ertrag der Minen zurück und damit begann Atlins Niedergang. Die MV Tarahne erinnert an vergangene Zeiten. Heute präsentiert der sich der Raddampfer herausgeputzt auf einem Trockendock am Seeufer.

Schifffahrten zu den riesigen Eisfeldern waren damals sehr beliebt. Eine Sitzbank mit Panoramaausblick lädt zum Verweilen ein. Auch das Globe Theatre wurde renoviert, in dem heute Theaterstücke, Musicals und Filme vorgeführt werden.

Im Juli findet jedes Jahr das Atlin Arts & Music Festival statt, das Auftritte und Ausstellungen verschiedener Künstler aus ganz Kanada bietet. Atlin ist einfach klasse! Mehr zu beschreiben gibt es nicht, Bilder sprechen mehr als Worte.

Der Schrei des Adlers

Unmittelbar neben dem Truck-Camper hat sich auf einem Strommast ein Weißkopfseeadler zu uns gesellt. Die Schreie des Adlers sind nicht zu überhören. Der Inhaber eines Campingplatzes versucht, das Tier mit einem Fisch anzulocken, um uns Gäste ein Naturschauspiel zu bieten. Das gelingt ihm aber nicht. Der große Vogel lässt sich von dem filetierten Fisch nicht beeindrucken. Das freut natürlich die Möwen, die sich den Leckerbissen nicht entgehen lassen.

Norseman Adventure RV Park – Campingplatz mit Seeblick

Jetzt fehlt nur noch ein Wohnmobilstellplatz für die Nacht. Wir haben Glück. Am Rand des Atlin Lake sind bei Norseman Adventure RV Park freie Campingplätze mit Seeblick verfügbar. Es gibt keine Toiletten und Duschen, aber Strom und Wasser. Dafür kostet die Übernachtung inklusiv WIFI nur 25 Dollar pro Nacht. Die Lage ist einmalig und die Kulisse könnte kaum schöner sein. Näher kann man der Wildnis nicht sein. Den Truck-Camper parken wir so, dass sich die Blase der Wasserwaage im Fahrzeug in der Mitte einpendelt. Für uns gibt es heute Burger aus der Pfanne mit Salatbeilage. Das geht schnell und lässt uns mehr Zeit, den Abend am See gemütlich ausklingen zu lassen.

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