13. Juli – auf und davon zu neuen Abenteuern

Auf und davon mit dem Truck Camper
Auf und davon mit dem Truck Camper

Here we go! Ausgeschlafen genießen wir vor der Weitereise ein letztes Mal den Komfort eines Hotelzimmers samt Dusche. Das Frühstück im Hotel ist zwar nicht der Knaller, aber zum satt werden reicht es. Danach geht’s an die Arbeit. Schließlich muss das gesamte Gepäck noch im Camper verstaut werden. Alles findet seinen Platz. Eine durchdachte Verteilung auf die Fächer hat bei einer Wohnmobiltour Vorteile. Gesagt, getan. Die leeren Koffer bringen wir zurück zum Wohnmobil Vermieter Fraserway, um sie dort einzulagern. Das hat sich bereits im Vorjahr als praktisch und platzsparend erwiesen. Wir müssen nicht weit fahren, das Zentrum von Whitehorse liegt gleich um die Ecke.

Jetzt folgt ein Traum von der grenzenlosen Freiheit, weit weg von der Zivilisation. Es geht uns nicht um einen Geschwindigkeitsrekord, sondern die unberührte Natur zu erleben, die wilden Tiere, atemberaubende Landschaften und interessanten Menschen zu begegnen. Anstatt einer festen Route zu folgen, lassen wir uns lieber vom Wetterbericht leiten und folgen der Sonne. Die Natur und das Wetter sind ein unkalkulierbarer Faktor, anders als in weiten Teilen Nordamerikas. Die Sommer sind zwar sonnig und warm, das Wetter kann aber schnell umschlagen. Die Wettervorhersage für den Yukon verspricht für die nächsten Tage nichts Gutes. Nur in Atlin soll es sonnig und warm werden. Also nichts wie hin! Der kleine Ort im Norden von British Columbia ist nur 160 Kilometer südlich von Whitehorse entfernt. Die einzige Straße nach Atlin führt bei Jakes Corner vom Alaska Highway über die Tagish Road. Die letzten 90 Kilometer auf der Atlin Road sind ungeteert und unbefestigt. Wir haben Glück mit dem Wetter! Regen würde uns auf dieser Piste sonst noch mehr Fahrgeschicklichkeit abverlangen. Die Straße führt schnurgerade durch schier endlose Wälder, manchmal weit geschwungen am Atlin See entlang durch eine Berglandschaft, die lang und wenig befahren ist.

Reisetipp – Wohnmobil Führerschein

Welchen Führerschein benötigt man eigentlich für ein Wohnmobil in den USA und Kanada?
Diese Frage wird aktuell in Internetforen diskutiert und an uns herangetragen. Wohnmobile dürfen mit einem gültigen EU-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) gefahren werden. Das Mindestalter des Fahrers beträgt je nach Vermieter zwischen 21 und 25 Jahren. Eine Beschränkung auf 3,5 Tonnen gilt nur innerhalb der Europäischen Union. Konkret bedeutet das: Nur in Deutschland und anderen Staaten der EU gelten die europäischen Regelungen in Verbindung mit dem Länderrecht und damit die Einschränkungen der jeweiligen Führerscheinklassen. In den USA und Kanada gelten andere Vorschriften. Probleme gibt es nur bei wenigen deutschen Reiseveranstaltern, die offensichtlich von deren Versicherungen ausgehen. Aber es gibt zum Glück auch Veranstalter, die einen Versicherungsschutz in vollem Umfang gewährleisten können, unabhängig von der Führerscheinklasse.
Unsere Empfehlung: Wer seinen Führerschein nach 1999 erworben hat, sollte nur bei Reiseveranstaltern ein Wohnmobil buchen, die in ihren Mietbedingungen ausdrücklich hinweisen, dass Führerscheinklasse B ausreichend ist.

Internationaler Führerschein – ja oder nein?
In Ländern wie die USA und Kanada verlangen Auto bzw. Wohnmobilvermieter in der Regel keinen internationalen Führerschein. Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn er bei einer Polizeikontrolle vorgezeigt werden muss. Genau so ist es uns im Jahr 2014 in Stewart Crossing vor Dawson City ergangen. Zum Glück haben wir ihn immer auf Fernreisen dabei. Deshalb lohnt es sich immer, einen internationalen Führerschein ausstellen zu lassen. Achtung: Ein internationaler Führerschein ist nur gültig, wenn er zusammen mit dem deutschen bzw. EU-Führerschein vorgezeigt wird.

Atlin – malerische Idylle am Juwel des Nordens

Am Ende der Straße landen wir in einem ehemaligen Goldgräbernest, das sich Atlin nennt. Wer die Einsamkeit liebt, ist hier goldrichtig! Auf den ersten Blick könnte man vermuten, in einer Geisterstadt der Goldrauschzeit angekommen zu sein. Die malerische Idylle am See umrahmt von hohen Bergen machen Atlin zu einem Juwel des Nordens. Kaum ein anderer Ort entspricht den Klischeevorstellungen von einem Leben mitten im Busch. Das ist unser kanadischer Traum. Wer hat nicht von einsamen Indianern oder Trappern geträumt, vor allem in der Wildnis. Nur wenige Touristen verirren sich hierher, die kleine Siedlung am Atlin Lake wirkt fast menschenleer.

Neben Indianern, Trappern, Buschpiloten, Goldsuchern, Künstlern und Hippies stellen die rund 400 Einwohner eine bunte Mischung dar. Auf dem See können wir sogar Wasserflugzeuge beim Starten und Landen beobachten. Es sind Buschflugzeuge, die Taxis des Nordens. Das verschlafende Nest hat mehr zu bieten, als man glaubt. Während die Sonne immer mehr zwischen den Wolken scheint, genießen wir die Eindrücke in Atlin. Es versteht sich von selbst, dass wir hier übernachten werden.

Auf den Spuren des Goldrausches

MV Tarahne, Atlin
MV Tarahne, Atlin

Der Reiz des kleinen Ortes liegt vor allem an den historischen Gebäuden aus der Zeit des Goldrausches. Man fühlt sich sofort in die Vergangenheit versetzt. Atlin ist deshalb perfekt für einen Spaziergang in Form einer Entdeckungsreise geeignet. Als 1898 am Pine Creek Gold entdeckt wurde, schwoll das Dorf zu einer Stadt von 10.000 Goldgräbern an. Bereits ein Jahr später war Atlin das Juwel des Nordens. Es gab Banken, Geschäfte, Hotels, Saloons, eine Brauerei und ein Postamt. Schon nach wenigen Jahren ging der Ertrag der Minen zurück und damit begann Atlins Niedergang. Die MV Tarahne erinnert an vergangene Zeiten. Heute präsentiert der sich der Raddampfer herausgeputzt auf einem Trockendock am Seeufer. Schifffahrten zu den riesigen Eisfeldern waren damals sehr beliebt. Direkt daneben lädt eine Sitzbank mit Panoramaausblick zum Verweilen ein. Ein echter Geheimtipp, bitte weitersagen!

Auch das Globe Theatre wurde renoviert, in dem heute Theaterstücke, Musicals und Filme vorgeführt werden. Im Juli findet jedes Jahr das Atlin Arts & Music Festival statt, das Auftritte und Ausstellungen verschiedener Künstler aus ganz Kanada bietet. Unserer Meinung nach ist Atlin so klasse, dass man hier einen ganzen Urlaub verbringen könnte. Mehr zu beschreiben gibt es nicht, Bilder sprechen mehr als Worte.

Campingplatz mit Seeblick

RV Park Norseman Adventures
RV Park Norseman Adventures

Jetzt fehlt nur noch ein Wohnmobilstellplatz für die Nacht. Wir haben Glück. Am Rand des Atlin Lake sind bei Norseman Adventure RV Park freie Campingplätze mit Seeblick verfügbar. Es gibt keine Toiletten und Duschen, aber Strom und Wasser. Dafür kostet die Übernachtung inklusiv WIFI nur 25 Dollar pro Nacht. Die Lage ist einmalig und die Kulisse könnte kaum schöner sein. Näher kann man der Wildnis nicht sein. Den Truck-Camper parken wir so, dass sich die Blase der Wasserwaage im Fahrzeug in der Mitte einpendelt. Außerdem baut Nik noch einen Gasgrill zusammenbauen, den wir für 30 Dollar bei Canadian Tire erworben haben. Einen ähnlichen Grill hatten wir bereits auf der letzten Reise in Yukon und Alaska dabei, der sich zum Zubereiten von Fisch und Fleisch bewährt hat. Die BBQ Saison ist hiermit eröffnet!

RV Park Norseman Adventures
RV Park Norseman Adventures

Unmittelbar neben dem Truck-Camper hat sich auf einem Strommast ein Weißkopfseeadler zu uns gesellt. Die Schreie des Adlers sind nicht zu überhören. Der Inhaber des Campingplatzes versucht, das Tier mit einem Fisch anzulocken, um uns Gäste ein Naturschauspiel zu bieten. Das gelingt ihm aber nicht. Der große Vogel lässt sich von dem filetierten Fisch nicht beeindrucken. Das freut natürlich die Möwen, die sich den Leckerbissen nicht entgehen lassen. Für uns gibt es anstatt Fisch leckere Burger aus der Pfanne mit Salatbeilage. Das geht schnell und lässt uns mehr Zeit, den Abend am See gemütlich ausklingen zu lassen. Es ist ein perfekter Ort zum Abschalten, weit weg vom Alltag der letzten Tage. Die Schreie des Greifvogels sind die ganze Nacht allgegenwärtig.