24. Juli – Bonanza Gold RV Park, guter Ausgangspunkt für Ausflüge

Frühstück im Truck Camper
Frühstück im Truck Camper

Die letzte Nacht war zwar kurz, dafür ergiebig. Irgendwie hatten wir die Zeit vergessen und sind erst um 1 Uhr nachts ins Bett gekommen. Auf dem Breitengrad wird es zu dieser Jahreszeit nicht wirklich dunkel. Die Nacht wird zum Tag, im wahrsten Sinne des Wortes. Trotzdem sind wir schon um 7 Uhr wach. Der RV-Park ist voll belegt. Die Duschen werden bestimmt gut besucht sein. Deshalb führt unser Weg als Erstes dorthin. Wir haben Glück und sind heute früh so ziemlich die Einzigen in den Räumlichkeiten des Parks. Der Himmel ist wolkenfrei und die Sonne ist um diese Zeit schon stark. Sie versorgt uns mit neuer Energie. Jetzt fehlt nur noch ein heißer Kaffee zu einem leckeren Frühstück. Gesagt, getan! Der Bonanza Gold RV Park hat zwar keine idyllische Lage, ist aber ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge zum Midnight Dome und zur Dredge No. 4, einem Goldbagger in der Bonanza Creek Road.

Midnight Dome – traumhafter Rundblick über Dawson City

Midnight Dome, Dawson City
Midnight Dome, Dawson City

Heute wollen wir hoch hinaus. Geplant ist ein Besuch des Midnight Dome, ein Aussichtspunkt über Dawson City. Es ist bereits 10 Uhr als wir den RV-Park verlassen und vom Klondike Highway auf die Dome Road abbiegen, um auf die Spitze des Hügels zu fahren. Außer uns ist heute Vormittag kaum jemand auf der Straße unterwegs. Schon nach 15 Minuten sind wir oben angekommen. Gerade rechtzeitig, bevor sich die Sonne gegen uns dreht. Wir waren bereits im Vorjahr in der Stadt, aber nicht auf dem Midnight Dome. Warum eigentlich nicht? Dafür sind wir heute hier und genießen einen traumhaften Rundblick über Dawson City und die Mündung des Klondike River in den Yukon River. Der Blick gefällt uns noch besser als von der Sunnydale Road, der anderen Seite des Flusses. Auch das Band des Top of the World Highway ist gut zu erkennen.

Midnight Dome, Dawson City
Midnight Dome, Dawson City

Auf der Spitze steht eine sehr große Holzbank, die anscheinend die Dimension der Landschaft demonstrieren soll. Wir haben Glück, denn die gehört uns heute Morgen ganz allein. Es ist zwar nur eine Sitzbank, aber die Lage im Norden von Kanada ist eben etwas ganz besonders, für uns jedenfalls. Ein kanadischer Tourist fragt, ob er ein Foto von uns machen darf. Das Angebot nehmen wir gerne an. Wie ihr seht, muss man den Midnight Dome nicht unbedingt bei Nacht erlebt haben. Im Anschluss geht’s wieder herunter in die Stadt.

Dawson City – Zeit für das Beste

Vor uns liegt wohl die berühmteste Stadt des Goldrausches. Dawson City ist ein legendärer Ort auf unserer Reise, der allein von seiner Geschichte lebt. Das verschlafene Nest war damals eine Boomtown mit über 40 tausend Einwohnern. Ein San Francisco des Nordens, mit vornehmen Hotels, Restaurants und Tanzpalästen. Es wurde Tag und Nacht gefeiert. Die Saloons und Spielhallen hatten durchgehend geöffnet. Heute ist Dawson City eine verträumte Museumsstadt. Aus der Zeit des Goldrausches sind nur noch die windschiefen Häuser übrig. Der Lockruf des Goldes kann man noch heute förmlich spüren. Die Stadt hat ihrem Charme bewahrt und verzaubert uns wieder auf ein Neues mit ihrem historischen Stadtkern. Es ist ein tolles Gefühl, wieder hier zu sein! Langsam rollen wir durch die Straßen, bis wir im Zentrum einen Parkplatz für unser großes Wohnmobil gefunden haben.

Es gibt viel zu sehen, deshalb machen wir eine Entdeckungsreise durch die Goldgräberstadt. Man fühlt sich wie in einem Freilichtmuseum. Viel verändert hat sich anscheinend nicht. Bis heute gibt es keine asphaltierten Straßen. Hölzerne Gehwege sorgen dafür, dass man bei Regen nicht im Schlamm versinkt. Zu einer echten Goldgräberstadt gehört auch ein Spielcasino mit Cancan Tänzerinnen. Im Gambling Casino von Diamond Tooth Gerties wird noch immer gespielt und bunt gekleidete Cancan-Tänzerinnen schwingen nebenbei ihre nackten Beine. Es war seinerzeit das erste Spielkasino im hohen Norden. Es gab reiche und Verlierer, die hier Ihr Geld verprassten. Heute fließen die Einnahmen des non Profit Unternehmens komplett in die Gemeindekasse. Wer will, kann sein Glück beim Pokern und beim Black Jack versuchen. Die Eintrittskarte kostet nur zehn Dollar pro Person und ist das ganze Jahr über gültig. Vor genau vor einem Jahr hatten wir das Vergnügen und können dieses unvergessliche Erlebnis jedem Besucher von Dawson City uneingeschränkt empfehlen.

Dawson City liegt bekanntermaßen am Yukon River und an der Mündung des Klondike River. Eine wunderbare Promenade führt am Rand des Flusses entlang, unmittelbar an der Front Street. Wir nutzen die Gelegenheit für einen Spaziergang auf dem Damm, der die historische Metropole vor Überschwemmungen schützt. Dort entdecken wir eine Gruppe Kanufahrer, die wahrscheinlich den weiten Weg von Whitehorse hierher gepaddelt sind. Auch die Klondike Spirit, ein touristischer Schaufelraddampfer zieht bereits seine ersten Runden auf dem Fluss. Auf einem Dorfplatz am Ufer des Yukon River wird gerade Livemusik von einer Band gespielt, die anlässlich zum diesjährigen Dawson City Music Festival auftritt. Das Festival zieht viele Musiker und Besucher an. Es herrscht eine tolle Stimmung in der Stadt.

SS Keno – Wahrzeichen am Yukon River

SS Keno, Dawson City
SS Keno, Dawson City

Als Nächstes steht ein Besuch der SS Keno an, die wir zum ersten Mal besichtigen wollen. Wir müssen noch etwas warten, bis der historische Schaufelraddampfer seine Pforten öffnet. Empfangen werden wir von der netten Gabrielle, einer Mitarbeiterin von Canada Parks, die uns durch das Schiff führt. Als sie uns deutsch sprechen hört, bietet sie sogar eine Übersetzung an. Man merkt schnell, dass Gabrielle deutscher Abstammung sein muss, so fließend und fehlerfrei ist ihre deutsche Aussprache. Die SS Keno ist zwar nicht so imposant wie die SS Klondike in Whitehorse, aber ein Besuch ist für uns Pflicht, gerade weil es unser zweiter Besuch in der Stadt ist. Das Wahrzeichen von Dawson City wurde einst 1922 gebaut, um Silbererz aus den Minen von Mayo und Keno zu befördern. Erst seit 1960 steht die SS Keno an ihrem heutigen Platz am Ufer des Yukon River auf einem Trockendock.

Eine Fahrt auf dem Schaufelraddampfer war für die Reichen Abenteuer und Vergnügen zugleich. Allerdings war die Dampferfahrt nicht ungefährlich. Der Yukon River ist voller Stromschnellen und tückischer Felsbrocken. Nach der Führung erzählt uns Gabrielle, dass sie ursprünglich aus Québec stammt und ein Kind deutscher Einwanderer sei. Seit siebzehn Jahren lebe sie in Dawson City auf der anderen Seite des Flusses, ohne fließend Strom und Wasser. Sie erwähnt, dass man sich als Aussteiger an das Leben in der Wildnis gewöhnt.

Auf den Spuren Jack Londons

Zurück im Zentrum besuchen wir einen ganz besonderen Ort. Es ist das Museum oder besser ausgedrückt eine Nachbildung von Jack Londons Hütte bei Stewart Island, dem Schriftsteller, der wohl die bekanntesten Erzählungen über die Ära des Goldrausches lieferte. Hier ließ sich einst Jack London faszinieren. Er versuchte sich kurzfristig als erfolgloser Goldsucher im Yukon. Nach seiner Rückkehr nach Kalifornien wurde er vor allem durch seine Geschichten und Erzählungen vom harten Leben einfacher Menschen zum Bestsellerautor. Noch heute wird in den alten Claims bei Dawson City nach Gold gesucht. Das gewonnene Gold im Wert von vielen Millionen Dollar ist ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor Kanadas. Experten suchen bis heute nach der wahren Goldader.

Jack London Museum, Dawson City
Jack London Museum, Dawson City
Jack London Museum, Dawson City
Jack London Museum, Dawson City
Jack London Museum, Dawson City
Jack London Museum, Dawson City

Downtown Hotel – Goldrausch-Stimmung inklusive

Etwas Außergewöhnliches wird im Downtown Hotel von Dawson City geboten. Hier bekommt man im Stil der Jahrhundertwende gestalteten Saloon ein „Sourtoe Cocktail“. Der skurrile Drink besteht aus einem im Whiskyglas befindlichen menschlichen Zeh, der einem Goldsucher abgefroren ist. Um Ehrenmitglied der Bar zu werden, muss man diesen beim Trinken mit den Lippen einmal berührt haben. Der Spaß ist für zehn Dollar zu haben. Allein bei dem Gedanken allein wird uns schon übel. Echte Goldrausch-Stimmung kommt dabei garantiert auf.

Mittagspause im Sourdough Joe´s Restaurant

Nach der Stadtbesichtigung verspürt unser Magen großen Appetit. Deshalb legen wir eine Mittagspause im Sourdough Joe´s ein, das direkt an der Front Street liegt. Im grünen Garten des Restaurants gönnen wir uns einen leckeren Burger mit Pommes frites. Immerhin ist es das günstigste Hauptgericht auf der Speisekarte. Das Essen wird uns bereits nach kurzer Zeit vom freundlichen Personal des Lokals serviert. Geschmacklich bewegt sich das Essen oberhalb des Fast-Food-Niveaus und ist durchaus zu empfehlen. Nach dem Essen müssen wir uns leider von Stadt verabschieden. Vor uns liegt noch ein weiter weg bis Carmacks, das fünf Autostunden südlich von Dawson City entfernt ist.

Sourdough Joe's Restaurant
Sourdough Joe's Restaurant
Sourdough Joe's Restaurant
Sourdough Joe's Restaurant
Sourdough Joe's Restaurant
Sourdough Joe's Restaurant

Dempster Highway – Straße in die Arktis

Nach einer halben Stunde unterwegs auf dem Klondike Highway erreichen wir die Kreuzung zum Dempster Highway, eine Straße, die 740 Kilometer hinauf in den Norden führt. Der Dempster ist sozusagen die Straße in die Arktis. Nach dem Überqueren einer Brücke hinter dem Klondike Highway beginnt eine Schotterpiste, die scheinbar nicht enden will. Die nördlichste Hauptverbindungsstraße Kanadas endet erst in der Eskimostadt Inuvik im Polarkreis. Wer dort hinfährt, sollte unbedingt vorher tanken. Die nächste Tankstelle gibt es erst nach 370 Kilometern in Eagle Plains. Die Bezeichnung Straße klingt fast anmutend. Allein das Befahren ist ein Abenteuer an sich, bei dem man vor lauter Staub des Gegenverkehrs kaum die Fahrbahn erkennt. Die Windschutzscheibe des Campers bleibt von Steinschlägen kaum verschont. Das können wir aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Reifenpannen sind hier keine Seltenheit. Gerne würden wir zum Tombstone Nationalpark fahren. Dazu reicht uns die verbleibende Zeit nicht aus. Außerdem wäre der Trip mit unserem geringen Reifenprofil viel zu gefährlich. Allein der Gedanke daran, dass wir keinen Ersatzreifen mehr an Board haben, lässt unseren Verstand entscheiden. Wir machen noch ein paar Fotos vom Dempster Highway, bevor wir weiter auf dem Klondike Highway nach Süden fahren.

Dempster Hwy, Yukon
Dempster Hwy, Yukon
Dempster Hwy, Yukon
Dempster Hwy, Yukon
Dempster Hwy, Yukon
Dempster Hwy, Yukon

Klondike Highway – auf den Spuren des Goldrausches

Parkplatz Gravel Lake
Parkplatz Gravel Lake

Eine Fahrstunde später folgt die nächste Pause. Auf der anderen Fahrbahnseite fällt uns ein schöner See mit zahlreichen Seerosen ins Auge. Der Gravel Lake liegt direkt an einem Parkplatz unmittelbar an der Straße. Um an den Rand des Sees zu kommen, kriechen wir wortwörtlich durchs Gebüsch. Danach führt uns der Highway immer weiter in den Süden. Der Klondike Highway zwischen Dawson City und Whitehorse führt durch die eindrucksvolle Landschaft im Yukon. Große Flüsse, Seen und ausgedehnte Fichtenwälder liegen auf dem Weg. Mit dem Bau der Straße in der 1950er Jahren bemühte man sich um eine Landverbindung zu den Silbervorkommen bei Mayo und Keno zu schaffen. Die Straße verläuft parallel zur Strecke, die während des Goldrausches im Jahr 1898 verwendet wurde. Nachdem wir die Brücke über den Stewart River passiert haben, ist die Hälfte der Strecke geschafft.

Gravel Lake, Yukon
Gravel Lake, Yukon

An die Brücke können wir uns noch gut erinnern, weil wir dort ein Jahr zuvor von der Polizei kontrolliert wurden. Mittlerweile ist bereits 17 Uhr und es sind noch etwa 200 Kilometer zu fahren. Kilometer für Kilometer schreiten wir voran, vorbei an Pelly Crossng und Minto bis zu unserem Etappenziel Carmacks. Die Five Finger Rapids lassen wir rechts liegen und beschließen diese am nächsten Morgen zu besichtigen.

Coal Mine Campground – idyllische Lage am Yukon River

Coalmine Campground
Coalmine Campground

Für uns gibt es nur noch ein Ziel, der Coal Mine Campground, ein RV-Park in Carmacks für die Nacht. Als wir dort ankommen, gibt es noch einen freien Stellplatz. Der kommt wie gerufen! Strom, Wasser und Duschen sind vorhanden. Der RV-Park liegt zwar direkt am Klondike Highway, aber allzu viel Verkehr sollte es nachts nicht geben. Außer Campern ist der Park, der am Yukon River liegt, ein beliebter Zeltplatz für Kanufahrer, die auf dem Fluss unterwegs sind. Dass die idyllische Lage am Fluss zum Verweilen einlädt, merkt Sev erst auf den zweiten Blick, als Nik mit schönen Fotoaufnahmen zurückkehrt. Danach heißt nix wie hin zum Fluss. Später zaubern wir für das Abendessen aus den restlichen Lebensmittelvorräten ein Hauptgericht und ein Dessert. Es gibt zwar auch ein Restaurant im RV-Park, aber darauf können wir heute Abend verzichten. Danach fallen wir müde von der langen Fahrt und Tag ins Bett. Good night!

Coalmine Campground
Coalmine Campground