14. Oktober – Abflug ins rote Zentrum Australiens

Flughafen Cairns
Flughafen Cairns

Heute sind wir schon früh auf den Beinen. Es heißt Abschied nehmen von Cairns und den tropischen Regenwäldern. Ein neues Reiseabenteuer im roten Zentrum Australiens steht uns kurz bevor. Wir wollen eine Stunde vor Abflug am Flughafen sein. Unser Apartment in Clifton Beach liegt zum Glück nur 10 Autominuten entfernt. Die Abgabe des Mietwagens ist nur im Flughafengebäude möglich. Von einer Übergabe und deren Überprüfung ist keine Spur. Das nennt man australische Gelassenheit. Beim Einchecken wird uns von der Airline mitgeteilt, dass wir den falschen Schalter erwischt haben. Am richtigen Quantas-Schalter fehlt uns plötzlich ein Reisepass. Wie konnte das passieren? Dann schallt ein Ausruf aus den Lautsprechern des Flughafens. In der Eile haben wir den Pass am ersten Schalter einfach vergessen. Dann ist es soweit. Um 8 Uhr dürfen wir über eine Treppe an Bord der Maschine steigen.

Qantas Airways ist die nationale Fluggesellschaft Australiens. Ready for Take Off! Wir heben ab und werfen einen letzten Blick auf die traumhafte Küste Queenslands. Getränke und Snacks sind im Flugpreis inklusive. Wir fliegen in das Herz Australiens, nach Alice Springs. Seit dem Abflug sind zwei Stunden vergangen, als der Kapitän am Flughafen von Alice Springs zum Landeanflug ansetzt. Eingebettet zwischen den MacDonnell Ranges ist die Stadt der Ausgangspunkt unserer Mietwagenrundreise im Outback. Von unserem Fensterplatz entdecken wir eine rote Wüstenlandschaft, die überwiegend aus Sand und Felsen besteht. Juhu, Alice Springs wir kommen! Es ist erst 10 Uhr, als wir auf dem Rollfeld landen. Die Luft ist so angenehm trocken, wie seit Tagen nicht mehr. Unser Mietwagen wartet bereits am Flughafen. Das Auto wird uns die nächsten Tage quer durchs Outback kutschieren. Für die Kaution werden uns vom Autovermieter AVIS 5.000 AUD auf unserer Kreditkarte blockiert. Ist die Kaution nicht durch die Kreditkarte abgedeckt, wird das Fahrzeug nicht ausgehändigt.

Alice Springs – im Herzen Australiens

Alice Springs von Ortsschild
Alice Springs von Ortsschild

Nach der Übernahme des Mietwagens beginnt unser Outback Abenteuer. Australien erlebt man am besten auf einem Roadtrip. Auf dem Stuart Highway geht’s nach Alice Springs. Der Flughafen befindet sich etwa 14 Kilometer südlich der Stadt im Northern Territory. Unterwegs machen wir eine Fotopause am legendären Ortsschild. Die gemütliche Stadt in der Wüste liegt im Herzen Australiens und ist der perfekte Ausgangspunkt für Ausflüge im roten Zentrum des Landes. Alice Springs gewinnt zwar keinen Schönheitswettbewerb, aber es gibt mehr zu entdecken, als man glaubt. Mit ihren Hotels, Geschäften, Restaurants und einigen Cafés ist die Stadt recht übersichtlich. Wir erkunden die Hauptstadt des Roten Zentrums, die fast 1.500 km von der nächsten Stadt entfernt liegt. Von ihren Einwohnern wird sie einfach „Alice“ genannt.

Wegweiser, Alice Springs
Wegweiser, Alice Springs
Zentrum, Alice Springs
Zentrum, Alice Springs
Aborigine-Kunst, Alice Springs
Aborigine-Kunst, Alice Springs

Rund 30.000 Einwohner leben hier, 5.000 davon sind Aborigines. In Alice Springs trifft man oft auf australische Ureinwohner. Es gibt auffällig viele Galerien, die Bilder der Aborigines verkaufen. Der Anblick der Ureinwohner ist für uns gewöhnungsbedürftig. Die Lebensweise dieser Menschen wirkt zum Teil armselig und heruntergekommen. Sie gehören zum ärmsten Teil der australischen Gesellschaft. Ihre Arbeitslosenquote ist fast dreimal so hoch wie die der Durchschnittsbevölkerung. Das sind die Folgen einer Assimilationspolitik. Alice hat leider eine recht hohe Kriminalitätsrate und die Außenbereiche der Stadt sollte man bei Dunkelheit lieber meiden. Immer wieder kommt es zu Raubüberfällen und Autodiebstählen. Ein ausgetrockneter Fluss verläuft durch die Stadt. Der Todd River führt nur ein paar Tage im Jahr Wasser. Ganz in der Nähe haben wir ein Zimmer im Alice on Todd Apartments gebucht. Leider sind wir zum Einchecken zu früh dran, trotz Early Check-In im „Genius“ Bonusprogramm bei „Booking.com“. Wir nutzen die Zeit um die Outback-Stadt auf eigene Faust zu erkunden.

Anzac Hill – Aussicht über Alice Springs

Nach einer Stärkung bei McDonald’s fahren wir zum Anzac Hill. Der Hügel liegt unweit des Stadtzentrums. Auf der Spitze steht ein Denkmal für die Kriegsgefallenen. Wir sind aber wegen der Aussicht hergekommen. Der Aussichtspunkt bietet einen Rundumblick über Alice Springs. Die meisten Besucher kommen, um den Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu erleben. Wir sind zur Mittagszeit dort und ganz allein. Der Ausblick ist eher unspektakulär. Der Blick reicht bis zu den MacDonnell Ranges und die Häuserblocks der Stadt, die einem Schachbrettmuster gleichen. Unsere Aufmerksamkeit gilt eher den bunten Papageien, die zuhauf in den Bäumen sitzen und schnattern.

Alice Springs Reptile Centre – nichts für schwache Nerven

Alice Springs Reptile Centre
Alice Springs Reptile Centre

Kurz darauf folgt ein Besuch des Alice Springs Reptile Centre. Das Reptilienzentrum bietet die größte Sammlung von Reptilien im Northern Territory. Der Eintritt schlägt mit 17 AUD je Erwachsener zu Buche. 50 verschiedene Reptilienarten wie Riesenwarane, Dornteufel oder Kragenechsen warten darauf, bewundert zu werden. Der Riesenwaran ist die größte Echsenart Australiens und kann bis zu 2,5 Meter lang werden. Im Unterwasser-Schaubecken lebt Terry, das Salzwasserkrokodil. Am Giftschlangenterrarium nutzen wir die Gelegenheit, Taipane und Mulgaschlangen aus sicherer Entfernung zu beobachten. Zur Mittagszeit ist wenig los, sodass wir die Tiere ganz in Ruhe ansehen können. Das Reptilienzentrum ist ein beliebtes Touristenziel, besonders für Kinder. In der Reptilienshow kann man mit einer Pythonschlange spielen und Echsen streicheln. Nett gemacht aber kein Muss.

Dornteufel
Dornteufel
Riesenwaran
Riesenwaran
Kragenechsen
Kragenechsen

Das Alice Springs Reptile Centre ist den einheimischen Reptilien gewidmet und beteiligt sich am Schutz und der Rettung von wildlebenden Tieren. Allein in Alice Springs leben bis zu 6.000 Giftschlangen. Für die Einwohner sind die Mitarbeiter auch als Schlangenfänger im Einsatz.

Inlandtaipan
Inlandtaipan
Inlandtaipan
Inlandtaipan
Reptilienshow
Reptilienshow

Kangaroo Sanctuary in Alice Springs – Kängurus hautnah erleben

Das nächste Ausflugsziel wartet bereits vor der Tür! Nicht irgendeines, sondern ein Kangaroo Sanctuary. Das Känguru Schutzgebiet in der Nähe von Alice Springs ist das Zuhause von Brolga, besser bekannt als Kangaroo Dundee aus BBC-Reportagen. Im Rahmen einer geführten „Sunset-Tour“ haben wir die einmalige Chance, Brolga und seine Kängurus kennenzulernen. Eine Besichtigung des Sanctuary ist nur möglich, wenn man vorher auf der Webseite des Kangaroo Sanctuary eine Tour gebucht hat. Die Touren finden von Dienstag bis Freitag statt und nur am späten Nachmittag, weil Kängurus am Tag meistens schlafen. Die Touren sind begrenzt auf 30 Personen und Kosten 85 AUD für Erwachsene. Gegen 17 Uhr werden wir pünktlich vor unserem Apartment abgeholt. Ein organisierter Bus fährt uns zusammen mit anderen Besuchern zum Schutzgebiet, das außerhalb von Alice Springs liegt.

Im unberührten Buschland des Outbacks begrüßt uns Brolga und erzählt viel Informatives über das Kangaroo Sanctuary und seine Schützlinge, die roten Kängurus. Im Arm hält er ein in eine Decke gewickeltes Babykänguru. Der 45-Jährige hat seinen Job als Reiseleiter aufgegeben und widmet sich einer neuen Lebensaufgabe, Känguru-Waisen aufzuziehen. Sein Heim ist eine selbst gebaute Wellblechhütte ohne Strom und fließendes Wasser. Freiwillige Helfer unterstützen ihn bei der Pflege der Jungtiere.

Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs

Brolga ist ein Aborigine-Wort für „Storch“. Chris Barns liebt seine Schützlinge: „Sie sind meine Familie. Manche Leute halten mich für verrückt, aber das stimmt nicht. Ich habe nur etwas gefunden, das mir wirklich wichtig ist.“ Chris zieht Känguru-Waisen auf, deren Muttertiere meist überfahren wurden. Er richtet eine Botschaft an uns Autofahrer: „Falls Ihr ein überfahrendes Känguru am Wegesrand entdeckt, anhalten und in den Beutel schauen. Falls Ihr ein Baby entdeckt, herausholen und in einen Stoffbeutel stecken. Wasser geben und in die nächste Stadt mitnehmen!“ Känguru-Babys können noch tagelang im Beutel ihrer toten Mutter überleben.

Wir dürfen die kleinen Känguru-Babys Barry, Madeleine und Sebastian in Kissenbezügen abwechselnd für 10 Minuten im Arm halten. Die Kleinen sind richtig süß, besonders Barry. Für seine jüngsten Känguru-Kinder soll das Wildreservat nur eine Zwischenstation sein. Chris Barns ist Tag und Nacht im Einsatz, um sie auf ein eigenständiges Leben im Outback vorzubereiten.

Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs

Auf einem Spaziergang werden wir von Chris durch das 36 Hektar große Gelände herumgeführt und erfahren alles Wissenswerte über die Beuteltiere, wie sie leben und sich verhalten. Brolga ist immer von einer Schar roter Riesenkängurus umgeben. Wir sind mittendrin – hüpfende Kängurus in allen Größen gesellen sich neugierig zu uns. Brolga ist ein wirklich netter Typ, der seine 25 Kängurus über alles liebt und jedes beim Namen kennt. Er wirkt authentisch und man merkt schnell, dass er seine Aufgabe ernst nimmt.

Sev hat als Einzige das Glück, ein Känguru mit einer Flasche laktosefreier Milch füttern zu dürfen. Chris will die Tiere nicht vermenschlichen. Er versucht, den menschlichen Kontakt so gering wie möglich zu halten. Wenn sie groß genug sind, müssen sie wieder in den Busch zurückkehren. Tiere, die besonders schwer verletzt wurden und in freier Wildbahn nicht überleben können, dürfen bleiben.

Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs
Kangaroo Sanctuary, Alice Springs

Der berühmte Muskelprotz Roger ist leider nicht anwesend. Er wurde von seinem eigenen Sohn im Kampf geschlagen und erholt sich gerade weit weg vom Geschehen. Ab sofort ist Roger Junior das mächtige Alpha-Männchen der Gruppe. Das Gelände ist sehr weitläufig. Neben den Kängurus genießen wir die magische Stille und einen traumhaften Sonnenuntergang im Abendrot. Die Zeit vergeht wie im Flug. Am Ende verabschiedet sich Brolga von uns im Bus mit seinem munteren Känguru-Trio Barry, Madeleine und Sebastian im Arm.

Wir sind uns beide einig, dass sich diese Tour gelohnt hat. Wir würden jederzeit wiederkommen, um diese wunderbare Arbeit zu unterstützen. Der Besuch der Kangaroo Sanctuary ist mit Sicherheit die tollste Erfahrung, die man in Alice Springs machen kann! Es ist ein echter Geheimtipp für Känguru-Beobachtungen, bitte weitersagen.