31. Juli – Lachse in Campbell River, so weit das Auge reicht

Discovery Marine Safaris
Discovery Marine Safaris

Zu den schönsten Aktivitäten auf Vancouver Island gehört das Whale Watching. Ein wichtiger Grund, warum wir hier sind. Die Voraussetzungen zur Walbeobachtung sind unglaublich. Wir haben uns das Nordgebiet der Insel ausgesucht, das auch als Schutzgebiet für Schwertwale gilt. Deshalb brechen wir heute zeitig auf. Der Himmel ist wolkenlos und es gibt nur wenig Wind. Absolutes Kaiserwetter! Ein perfekter Tag für eine Walbeobachtungstour. Unser Weg führt nach Campbell River, die Lachshauptstadt Kanadas. Die Hafenstadt im hohen Norden von Vancouver Island ist ein wahres Eldorado für Fischer, das dessen Herzen höher schlagen lässt. Bereits vom Ufer aus beobachten wir die ersten springenden Lachse auf dem Wasser. Ein fantastisches Erlebnis! Mitten im Zentrum von Campbell River befindet sich Discovery Marine Safaris, unser Touranbieter für die geplante Walbeobachtungstour. Der Ausflug dauert in der Regel bis zu 8 Stunden und kostet 176 Dollar pro Person. Gebucht hatten wir die Tickets bereits am Vortag über das Telefon. Es ist kein billiges Vergnügen. Dafür soll es aber das Erlebnis der Höhepunkt unserer Reise werden. Treffpunkt der Tour ist um 13 Uhr beim Büro des Anbieters. Zunächst geht es für alle Teilnehmer per Minibus in das Hafennest Sayward, das über 70 Kilometer nordwestlich von Campbell River liegt. Kapitän John und seine Crew erwarten uns dort bereits. Nachdem Reisende aus aller Welt sich auf dem Deck des Schiffes eingefunden haben, gibt der Kapitän noch eine kurze Anweisung. Er kündigt an, dass uns eine sagenhafte Tour durch den Meeresarm Johnstone Strait erwartet, die nur vom Wasser aus erlebt werden kann. Wir können die Aufregung förmlich spüren. Das Abenteuer kann beginnen! Leinen los, es geht hinaus in Richtung Inside Passage, Kurs Nordwest!

Das Boot rast mit erhobenem Bug über die Wellen. Das Wasser spritzt und der Wind pfeift uns um die Ohren. Vom warmen Wetter auf dem Festland ist nichts mehr zu spüren. Kapitän John weist darauf hin, dass der Seegang eine Weile andauern wird, bis wir in ruhiges Gewässer kommen. Lachsschwärme ziehen in der Johnstone Strait an uns vorbei. Im Sekundentakt springen Lachse an die Wasseroberfläche. Und da wieder einer, einfach fantastisch! Neben dem Kapitän gehört auch Meeresbiologin Amber zur Crew. Auf dem Weg zum Walrevier gibt sie uns einen Einblick in das Leben und Verhalten der Wale. Jede Schwanzflosse ist wie ein Fingerabdruck und jedes Tier kennt sie beim Namen. Die Biologin führt ein Fotoalbum über die Meeressäuger. Nebenbei bedient sie ein Unterwassermikrofon. Mit dem Hydrofon kann man zum Beispiel Killerwale untereinander unterscheiden. Jede Walfamilie hat ihren eigenen Gesang. Nach einer Weile stoßen wir auf Walforscher in einem Schlauchboot und hoffen darauf, dass wir bald Wale sehen werden. Anscheinend hatten auch sie heute noch kein Glück.

Buckelwale begleiten plötzlich unser Schiff

Buckelwal beim Auftauchen
Buckelwal beim Auftauchen

Der Kapitän gibt wieder Gas und fährt bis zur Mündung der Johnstone Strait hinauf. Mittlerweile sind über 2 Stunden an Bord des Schiffes vergangen und die Walbeobachtungstour wird für uns langsam zur Geduldsprobe. Völlig überraschend springt ein Buckelwal an die Wasseroberfläche. Die großen Momente kommen ganz unerwartet. Der Wal begleitet plötzlich unser Schiff. Sie lieben die kühlen Gewässer vor Vancouver Island und verbringen ihre Sommer hier. Kapitän John stoppt den Motor und steuert das Schiff fortan über das Steuerrad des Oberdecks. Es herrscht große Stille an Bord. Minutenlang bleibt der Buckelwal unter Wasser, bis er wieder auftaucht. Aufgeregt springen die Leute von ihren Sitzen. Die Wale erkennt man an der Fontäne, wenn sie an die Oberfläche kommen und ausatmen. Allein der Anblick beim Abtauchen eines Wales mit erhobener Schwanzflosse ist überwältigend.

Alle warten gespannt auf die nächste große Schwanzflosse, die Fluke. Meeresbiologin Amber erklärt, dass es ein Verzeichnis gibt, wo registriert wird, wie viele Wale in der Gegend unterwegs sind. Zwischendurch verteilt die Crew Sandwiche an die Passagiere. Als auf einmal zwei Rückenflossen an der Wasseroberfläche auftauchen, verschlägt es uns für einen Moment die Sprache. Hier gehen Träume von Walewatchern in Erfüllung. Am Horizont macht sich ein immer stärkeres Brummen bemerkbar. Minuten später zieht ein Kreuzfahrtgigant unmittelbar neben unserem Schiff vorbei und hinterlässt dabei große Wellen. Die Kreuzfahrtschiffe sind so laut, dass der Lebensraum der Meerestiere kaum unbeschadet bleibt.

Mächtige Killerwale hautnah erleben

Schwertwal
Schwertwal

Der Kapitän erhält über Funk eine Nachricht, dass in der Nähe Schwertwale gesichtet wurden. Er gibt wieder Gas und steuert das Schiff zurück in die Johnstone Strait. Es ist eine Gruppe von Schwertwalen mit einem Baby, die nach Futter jagen. Die Meeressäuger ernähren sich vorwiegend von ihrer Leibspeise, den Lachsen. Wegen des Fischreichtums leben die Meerestiere das ganze Jahr in den Gewässern von Vancouver Island. Wir haben Glück, direkt vor unserem Schiff taucht die Rückenflosse eines Orcas auf, wie die Schwertwale hier gerne genannt werden. Majestätisch erscheint er an der Wasseroberfläche, schnauft und verschwindet wieder in der Tiefe. Aus gebührendem Abstand dürfen wir die Wale beobachten. Plötzlich schießt ein anderer Orca wie ein Pfeil aus dem Wasser und lässt sich zurückfallen. Wahnsinn, was für ein Erlebnis! Unter anderem zeigen die Orcas auf diese Weise einen erfolgreichen Fischfang, erklärt uns die Biologin Amber.

Während Nik auf der Steuerbord-Seite steht und mit dem springenden Orca beschäftig ist, beobachtet Sev einen Schwertwal, der hautnah an der Backbord-Seite des Schiffes auftaucht. Man weiß nicht, ob sie zu einem kommen oder lieber in der Gruppe bleiben. Die Familien bleiben eng zusammen und vor allem die Jungtiere entfernen sich nicht von der Mutter. Orcas sind etwas ganz Besonderes. Jedes Tier unterscheidet sich an der Krümmung der Schwertflosse. Sie erreichen eine Länge von bis zu 10 Metern und ein Gewicht bis zu 9 Tonnen. Das Erkennungszeichen der Säugetiere ist die Schwarzweißfärbung. Auch wenn das Nordgebiet der Insel als Mekka für Walbeobachtungen gilt, ist dieser Ausflug selbst für die Crew ein besonderes Erlebnis. So dicht kommen die Schwertwale selten ans Schiff heran. Wer einmal hier war, verliebt sich in das einzigartige Pazifikparadies. Für alle Teilnehmer hat sich die Tour gelohnt. Einschließlich der Busfahrt waren wir 8 Stunden unterwegs. Respekt vor Kapitän John und seiner Crew für den unglaublichen Tag! Es ist ein echter pazifischer Geheimtipp, bitte weitersagen. www.adventurewhalewatching.com