20. Juli – Homer, Welthauptstadt des Heilbutts

Homer Spit Office
Homer Spit Office

Ein neuer Tag bricht an. Im Vergleich zu den letzten Nächten haben wir heute ausgeschlafen. Brr! Es ist sehr kühl in unserem Camper, obwohl die Heizung mehrmals in Betrieb war. Jedenfalls wird man jeden Morgen daran erinnert, dass es in Alaska auch kalt sein kann. Die Duschen des Heritage RV Park sind nach 8 Uhr komplett belegt. Trotzdem duschen wir nicht im Camper und nehmen die Wartezeit in Kauf. Es geht doch schneller voran, als wir gedacht haben. Um 10 Uhr kann der Rundgang auf Homer Spit starten. Zunächst laufen wir auf einem Holzweg, der am Rand des Hafens entlang führt. Dicht an dicht reihen sich Fischerboote und Ausflugsschiffe nebeneinander. Im Sommer ist Homer ein Magnet vieler Touristen, die meistens wegen der Sportfischerei kommen. Halibut Capital of the World oder auf Deutsch Welthauptstadt des Heilbutts bezeichnen die Einwohner gern ihren Heimatort.

Wer den Größten fängt, bekommt den Hauptpreis des jährlichen Halibut Derby. Der Meeresarm ist eine Art Hauptverkehrsader für den Heilbutt und vieler anderer Fischarten, wie der Lachse oder Dorsche, die aus dem Golf von Alaska hierher kommen. Homer liegt direkt am Scheitelpunkt. Homer hat mehr zu bieten, als nur Fisch und Meeresfrüchte. Es gibt ein Museum, Kunstgalerien, Geschäfte, Restaurants und urige Kneipen, wie die Salty Dawg, in der man gemütlich in Gesellschaft ein Bier trinken kann. Das Besondere an der Kneipe sind die Dollarscheine, die tausendfach Wände und Decken dekorieren. Schönes Wetter in Homer zu erleben ist ein Traum und keineswegs üblich.

Homer ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge per Boot oder Flugzeug, um die einsame Wildnis zu erleben. Von hier aus kann man einen Flug zur Katmai Halbinsel chartern, um Bären beim Lachsfischen zu beobachten. Angeboten wird der Tagesausflug für rund 700 Dollar. Eine  Bärengarantie gibt es nicht. Im Angesicht des starken Dollarkurses überfordert der Ausflug unsere Reisekasse. Wer den Preis nicht scheut, sollte rechtzeitig reservieren, da sonst nur noch Einzelplätze verfügbar sind. Am Ufer der Hafenpromenade sehen wir zahlreiche Seesterne, die sich bei Ebbe an der mooshaltigen Böschung festhalten. Die Kachemak Bucht und Homer gehören zu den Regionen der Erde, die extreme Gezeiten haben. Vollmond und Neumond bewirken eine große Ebbe. Mittlerweile ist es schon Mittag. Sich von Homer zu trennen, fällt einem wirklich schwer. Dafür sind wir viel zu begeistert von dem einzigartigen Nabel der Welt.

Bootshafen, Homer Spit
Bootshafen, Homer Spit

Wenn der Elch kommt...

Langsam verlassen wir Homer und steuern unseren Truck Camper zurück auf den Sterling Highway Richtung Norden. Unser nächstes Etappenziel ist Seward, das sich genau auf der anderen Seite der Kenai Halbinsel befindet. Bis dorthin liegt noch ein weiter Weg vor uns. Kaum haben wir den Ort verlassen, springt ein großer Elch vor uns über die Straße. Zum Glück können wir dem Tier rechtzeitig ausweichen. Unseren Elchtest haben wir soeben bestanden! Die Tiere werden bis zu 800 Kilogramm schwer. Allein in Alaska gibt es bis zu 150 tausend davon. Trotzdem war es der erste Elch auf dieser Reise. Eine Zeit lang können wir das Wildtier beobachten. Elche sind genauso schnell verschwunden, wie sie gekommen sind. Das Glück trifft einen immer dann, wenn man nicht damit rechnet!

Anchor Point – beeindruckende Vulkanberge bei klarer Sicht entdecken

Willkommensschild, Anchor Point
Willkommensschild, Anchor Point

Eine halbe Stunde später erreichen wir Anchor Point, ein einsames Nest mit nur 1900 Einwohnern nördlich von Homer. Ein Schild am Sterling Highway verweist darauf, dass Anchor Point der westlichste Punkt der Kenai Halbinsel ist. Der Ort verdankt seinen Namen Kapitän James Cook, dessen Schiff im Cook Inlet gegen die starke Gezeitenströmung segelte und dabei seinen Anker verlor. Das ruhige Anchor Point ist das Tor zu Kachemak Bucht. Eigentlich gibt es nicht viel zu entdecken, wenn nicht das gute Wetter wäre. An klaren Tagen wie heute kann man von Anchor Point aus Vulkanberge entdecken. Vor uns befindet sich zur linken Hand der Mount ILiama und zur rechten der Mount Redoubt. Beide Berge ragen über 3500 Meter in den Himmel. Wir haben Glück und dürfen die beeindruckende Aussicht bei schönstem Wetter genießen.

Ninilchik – Spurensuche nach russischen Wurzeln

Von Anchor Point geht’s weiter auf dem Sterling Highway nach Ninilchik. Oben auf einem Hügel steht eine äußerst fotogene Kirche. Die idyllische Lage am Rand des Cook Inlet spricht für sich. Auf Spurensuche brauchen wir nicht zu gehen, man sieht der Kirche ihre russisch-orthodoxen Wurzeln sofort an. Russische Pelzhändler gründeten Ninilchik im 18. Jahrhundert für ihre Mitarbeiter, welche die eine Rückreise nach Russland nicht mehr antreten konnten. Als Alaska 1867 von Russland an die USA verkauft wurde, blieben die meisten Einwohner und bilden mit ihren Nachkommen bis heute den Kern der Gemeinde. Zeugnis sind die vielen russischen Namen auf dem Friedhof. Wir sind sehr angetan von der außergewöhnlichen Touristenattraktion im Süden der Kenai Halbinsel.

Russisch-orthodoxe Kirche, Ninilchik
Russisch-orthodoxe Kirche, Ninilchik
Russisch-orthodoxe Kirche, Ninilchik
Russisch-orthodoxe Kirche, Ninilchik
Russisch-orthodoxe Kirche, Ninilchik
Russisch-orthodoxe Kirche, Ninilchik

Kenai – das Herz von Kenai Peninsula

Ortsschild Kenai, Alaska
Ortsschild Kenai, Alaska

Unsere Route führt weiter nach Kenai, das Herz der Halbinsel. Mit etwa 7000 Einwohnern ist es die größte Gemeinde auf Kenai Peninsula. Der Ort liegt an der Mündung des Kenai River. Bewohner aus ganz Alaska zieht es wegen der Lachsfischerei hierher. Auch in Kenai waren die ersten Siedler Russen. Sie errichteten mit Fort St. Nicholas einen Handelsposten und im Ort die erste russisch-orthodoxe Kirche auf dem Festland von Alaska. Die Holy Assumption of the Mary mit ihren drei blauen Zwiebeltürmen ist kaum zu übersehen. Wir finden sie zwar nicht so reizend wie in Ninilchik, aber schön ist sie ebenfalls. In unmittelbarer Nähe steht die St. Nicholas Chapel, die im Blockhausstil erbaut wurde. Mittlerweile ist es 15 Uhr Nachmittag, als wir zurück auf dem Sterling Highway sind. Nach der Zivilisation folgt wieder die Wildnis.

Cooper Landing – das Anglerparadies am Kenai River

Nach einer weiteren Stunde unterwegs im Truck Camper erreichen wir Cooper Landing. Es ist eine Ortschaft, die verstreut am Sterling Highway liegt. Wer von Cooper Landing spricht, meint nicht nur den Kenai River, sondern auch den Kenai Lake. Da der Ort für seine Lachse berühmt ist, stehen überall Leute zu angeln, egal ob am Fluss oder am See. Anscheinend gibt es genügend Fisch für jeden. Das Anglerparadies ist Neuland für uns. In diesen Ort haben wir uns sofort verguckt. Wenn wir noch mal nach Alaska kommen, werden wir hier mehr Zeit einplanen. Nicht unbedingt zum Angeln, eher um die Landschaft zu genießen. Allerdings muss man im Sommer einen Campingplatz rechtzeitig reservieren, so stark ist die Nachfrage. Nach einer kleinen Rundfahrt durch Cooper Landing geht’s weiter.

Tern Lake, Alaska
Tern Lake, Alaska

Seward Highway – Traumstraße der Kenai-Halbinsel

Trail Lakes, Seward Highway
Trail Lakes, Seward Highway

Wir sind auf dem Seward Highway angekommen und machen uns auf dem Weg in die kleine Hafenstadt im Südosten der Kenai-Halbinsel. Trotzdem lassen wir uns es nicht nehmen, Fotos von den Trail Lakes und dem Lower Trail Lake mit seinen tausend Seerosen zu machen. Auf dieser Straße könnten wir den ganzen Tag verbringen. Majestätische Berge, Seen und Gletscher begleiten uns während der Fahrt. Auf der Suche nach einem Campingplatz erreichen wir den Waterfrontpark. Alle Plätze liegen am Wasser, sind aber ausgebucht. Auch beim Stony Creek RV Park ist jeder Versuch zwecklos. Uns bleibt nur der Bear Creek RV Park am Rand der Stadt. Eigentlich wollten wir nach den Erfahrungen im Vorjahr nicht mehr dorthin. Auf dem RV Park sind allerdings noch genügend Stellplätze frei.

Der Platz liegt mitten in einem Waldgebiet in der Nähe eines Sees. Das Gebäude der Campingverwaltung hinterlässt einen seltsamen Eindruck. Anschlüsse für Frischwasser, Strom und Dumping sind zwar am Stellplatz vorhanden, aber die sanitären Anlagen haben schon um 21 Uhr geschlossen und öffnen erst morgens um 8 Uhr. Der Preis liegt bei 40 Dollar die Nacht. Die Internetverbindung ist zum Verzweifeln. Sev bleibt hartnäckig. Mittlerweile schwirren so viele Mücken draußen herum, dass Nik lieber im Camper bleibt. Gute Nacht!