21. Juli – Seward, idyllische Hafenstadt auf der Kenai Halbinsel

Heute klingelt uns der Wecker schon um 5:30 Uhr aus dem Tiefschlaf. Grund dafür ist ein Schiffsausflug der Kenai Fjords Tour zum Aliak Gletscher im gleichnamigen Nationalpark. Wir haben das Gefühl, kaum geschlafen zu haben. Die Zeit ist knapp. Bereits um 7 Uhr sollen wir uns auf einem Sammelparkplatz am Ortseingang von Seward einfinden. So wurde es uns bei der Buchung jedenfalls mitgeteilt. Geduscht wird ausnahmsweise im Camper. Die Einrichtungen des RV-Parks sind zu dieser Uhrzeit leider noch verschlossen. Die Duschkabine ist sehr eng und alles andere als komfortabel. Die Zeit rennt, trotzdem schaffen wir es pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt, der etwa 10 Kilometer vom Bear Creek RV Park entfernt ist. Ein Shuttlebus bringt uns zum Hafen von Seward, wo sich der Tourveranstalter des Kenai Fjords National Parks befindet. Die idyllische Hafenstadt mit ihren rund 2700 Einwohnern ist eines der ältesten Orte Alaskas.

Bei schönem Wetter ist Seward schlichtweg atemberaubend. Schneebedeckte Berggipfel und dichte Fichtenwälder umrahmen das tiefblau schimmernde Wasser der Resurrection Bucht. Das Landschaftspanorama im Morgenlicht ist umwerfend schön, besonders bei einem Spaziergang auf der Holzpromenade mit einem heißen Kaffee in der Hand. Dabei beobachten wir viele Vögel beim Verspeisen ihrer Beute oder von dem, was davon übrig geblieben ist. Dann ist es endlich soweit, der Einlass zum Schiff hat begonnen.

Kenai Fjords Tour – Willkommen an Bord der Tanaina!

Ausflugsschiff Tanaina, Resurrection Bay
Ausflugsschiff Tanaina, Resurrection Bay

Rund 120 Passagiere sind heute an Bord der Tanaina, eines der zahlreichen Ausflugsschiffe des Veranstalters. Uns zieht es auf das Oberdeck. Beim Ausflug wollen wir das Krachen eines kalbenden Gletschers hören und möglichst viele Wale beobachten. Leinen los – volle Fahrt voraus! Pünktlich um 8 Uhr wirft der Kapitän den Schiffsmotor an und verlässt den Hafen zum Auslaufen in die Bucht. Zu Beginn der Tour erhalten wir eine Einweisung in die Bedienung der Schwimmwesten. Außer uns sind viele Fischkutter unterwegs in ihren Fanggründen, die ihre Schleppnetze hinter sich herziehen. Unser Kapitän gibt richtig Gas und wir gewinnen an Fahrt. Schon kurz darauf verringert er die Geschwindigkeit. Seeotter treiben gemütlich auf dem Rücken an uns vorbei. Der Anblick der Meeresbewohner freut uns umso mehr. Dabei fragen wir uns, wer eigentlich wen beobachtet.

Kenai Fjords Nationalpark Tour

Es ist angeblich Alaskas beliebteste Schiffstour zu den Meeresbewohnern und Gletschern. Die Fahrt führt zu abgeschiedenen Buchten wie der Aialik Bay, flankiert von bis zu 2000 Meter hohen Bergen. Mit etwas Glück bekommt man wie in unserem Fall die ganze Bandbreite an Wildtieren zu sehen, von Seeottern, Seelöwen, Seehunden über die weißen Dallschafe bis hin zu Schwertwalen und Buckelwalen. Alle Abfahrten finden in der Hauptsaison täglich statt, inklusiv Mittagessen an Bord.

Hier sind die wichtigsten Routen zur Auswahl:
- 8:00Uhr (6-Stunden)
- 10:00 Uhr (8½-Stunden) mit Abendessen auf Fox Island
- 11:30 Uhr (6-Stunden)

Was ist mitzubringen:
- Sonnenbrille, Sonnenschutz
- Für jedes Wetter die passende Kleidung
- Schuhe mit Gummisohlen

PS: Unsere Wahl fiel auf die 6-Stunden Tour um 8:00 Uhr

Die Tour geht weiter und Seward liegt längst hinter uns. Plötzlich tauchen schwarze Schwertflossen aus dem Wasser auf. Es ist eine Gruppe von Schwertwalen, die mit ihren Babys auf Beutezug sind. Die Meeressäuger ernähren sich vorwiegend von ihrer Leibspeise, den Lachsen. Wegen des Fischreichtums ziehen die Orcas im Sommer durch die kühlen Gewässer Alaskas. Majestätisch tauchen die Killerwale an der Wasseroberfläche auf. Es sind so viele, dass wir nicht wissen, wo wir zuerst hinsehen sollen. Viele Passagiere schreien vor Begeisterung. Ununterbrochen hört man das Klicken der Fotoapparate. Aus gebührendem Abstand dürfen wir die Schwertwale beobachten. Unmittelbar neben uns treiben sie ihre Spielchen. Solche Momente kommen ganz unerwartet. Orcas sind etwas Besonderes. Jedes Tier unterscheidet sich an der Krümmung der Schwertflosse. Sie erreichen eine Länge von bis zu 10 Metern und ein Gewicht bis zu 9 Tonnen. In einem Gespräch mit der Bordcrew erfahren wir, dass die Killerwale nicht bei jeder Ausflugstour gesehen werden. Das Glück ist auf unserer Seite.

Hin und weg von den Schwertwalen fahren wir mit dem Schiff immer weiter aus der Bucht heraus, vorbei an Fox Island Richtung offenes Meer. Zwischendurch springen Weißflankenschweinswale wie ein Pfeil aus dem Wasser und sind genauso schnell wieder verschwunden. Rechts vom Schiff eröffnet sich eine schöne Aussicht auf den Bear Gletscher, einer von 40 Gletschern im Kenai Fjords National Park. Mit seinen Küsten, Gebirgen und Gletschern ist es ein einzigartiges Naturparadies. Das Wetter verändert sich und man merkt deutlich, dass die See rauer wird. Von weiten erkennen wir verschiedene Felsformationen. Auf einem Felsvorsprung liegt eine Kolonie stellerischer Seelöwen. Es sind die größten ihrer Art, die nur im Nordpazifik leben. Seelöwen sind gesellige Tiere und ihre Sonnenplätze heiß umkämpft.

Ein wichtiger Bestandteil des Ausfluges sind natürlich die Buckelwale. Vor Cheval Island taucht einer davon auf. Er begleitet unser Schiff. Seine Fluke zeigt er uns nicht, dafür planscht er mit seinen Flossen an der Wasseroberfläche herum. Die Wale erkennt man an der Fontäne, wenn sie an die Oberfläche kommen, um auszuatmen. Buckelwale lieben die kühlen Gewässer Alaskas und verbringen ihre Sommer hier.

Aliak Gletscher, Kenai Fjords NP
Aliak Gletscher, Kenai Fjords NP

Der Kapitän steuert das Schiff in die Aliak Bucht. Dabei werfen wir einen Blick auf den Holgate Gletscher. Das Wetter hier draußen wird immer rauer und die Sonne zeigt sich schon lange nicht mehr. Man bekommt das Gefühl, jemand hätte die Gefriertruhe geöffnet. Zum Glück ist das Unterdeck des Schiffes gut beheizt und man kann jederzeit von innen nach außen wechseln. Gegen Mittag erreichen wir unser Ziel, den Aliak Gletscher am Ende der Bucht. Die Gletscher entspringen in den Hochlagen der Gebirge und wandern talwärts. Die Gletscherzungen sind bis zu 100 Kilometer lang und führen außer Eis auch Stein und Geröll mit sich. Vor dem Alaik Gletscher kann man ein faszinierendes Naturschauspiel beobachten. Gleich mehrfach hintereinander stürzen riesige Eisbrocken ins Wasser. Das Kalben eines Gletschers muss man erlebt haben! Allein das Krachen zu hören ist unbeschreiblich. Mittlerweile befinden wir uns mitten im Treibeis des Gletschers. Der Anblick auf die hohe Eiswand, die in verschiedenen Blautönen schimmert, ist gigantisch. Je weniger Sauerstoff im Eis enthalten ist, desto blauer leuchtet es. Wer glaubt auf Handschuhe und Mütze verzichten zu können, wird eines besseren belehrt.

Nach einer Mittagspause nimmt das Schiff wieder an Fahrt auf und fährt zurück nach Seward. Als Mittagssnack gibt es ein Sandwich mit Frischkäsefüllung, eine Tüte Chips und ein Müsliriegel. Während der Rückfahrt blicken wir ein letztes Mal zurück zum Alaik Gletscher und entdecken Seehunde, die es sich auf dem Eisschollen gemütlich gemacht haben. Sie finden dort Schutz vor Raubtieren und Nahrung.

Zurück in der Resurrection Bucht geht’s weiter nach Fox Island, einer Vogelinsel, die man schon von weiten an einem Felsbogen erkennt. Der Kapitän steuert das Schiff einmal um den gesamten Felsen. Das Gebiet besteht aus Vogelkolonien, vorwiegend aus der Dreizehenmöwe. Zu Tausenden nisten sie auf schmalen Felsvorsprüngen. In der Meeresbucht sind die Papageientaucher mit ihren Schnäbeln die skurrilsten Besucher. Selbst Seesterne und Bergschafe können wir vom Schiff aus beobachten. Während wir mit Tierbeobachtungen beschäftigt sind, serviert die Schiffbesatzung warme Brownies mit Schokostückchen. Der Kaffee an Bord ist kostenlos. Im Hafen von Seward angekommen, merkt man den Anstieg der Außentemperatur. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, fahren wir mit dem Shuttle zurück zum Sammelparkplatz. Unser Eindruck über die Kenai Fjords Tour fällt positiv aus. Höhepunkte waren die Tierbeobachtungen. Was den Gletscher betrifft, hat uns der Columbia-Gletscher im Prince Willam Sound während der letzten Rundreise mehr beeindruckt.

Fox Island, Resurrection Bay
Fox Island, Resurrection Bay

Seward, das Dorado für Fischer und Hochseeangler

Fischer, Seward Alaska
Fischer, Seward Alaska

Wir haben erst 14 Uhr nachmittags und uns bleibt noch genügend Zeit für eine kleine Ortsbesichtigung. Es versteht sich von selbst, dass wir mit dem Camper zurück zum Hafen fahren. Dort werden die ersten Fischer und Hochseeangler zurückerwartet, um ihren Fang wiegen zu lassen. Vorher werden die Fische an der Holzpromenade aufgehängt und gereinigt. Allein der Anblick der großen Fische, die am Haken hängen, ist sehenswert. Die übliche Vorgehensweise ist anscheinend eine richtige Touristenattraktion. Mit Stolz präsentieren die Fischer ihren Tagesfang und lassen sich dabei vom Publikum fotografieren. Viele Freizeitfischer filetieren ihre Heilbutte und Lachse auf den Tischen. Im Hafen warten Möwenschwärme kreischend auf die Fischabfälle. Was hier an Fischfang verarbeitet wird, ist sehenswert.

Im Anschluss fahren wir zu einem Wasserfall, dem Lower Creek, der sich unmittelbar am südlichen Ende von Seward befindet. Leider sieht der Wasserfall durch eine Betonbefestigung an der Abbruchkante nicht fotogen aus. Die frische Meeresbrise hat in unseren Gemütern ihre Spuren hinterlassen. Deshalb gönnen wir und erst mal einen heißen Espresso, bevor die Rundreise weitergeht.

Anchorage – schöne Aussicht auf die Skyline der Stadt

Als wir in unserem nächsten Etappenziel Anchorage eintreffen, ist es schon spät. Hinter uns liegt eine Strecke von über 200 Kilometern. Der Besuch der Kenai Halbinsel hat sich in jedem Fall gelohnt. Sollten wir noch einmal hierher kommen, werden wir der schönen Halbinsel mehr Zeit widmen. Einen Stellplatz für die nächste Übernachtung haben wir bereits beim letzten Besuch des Creekwood Inn RV-Park reserviert. Deshalb geht’s direkt zu einem ganz besonderen Aussichtspunkt, der sich am Rand einer Bucht befindet. Am südlichen Ende des Earth Quake Parks genießen wir wenig später eine schöne Aussicht auf die Skyline der Stadt mit Bergkulisse. Der Abend ist ein guter Zeitpunkt wegen dem Einfall des Sonnenlichts.

T.G.I Friday´s – Camping heißt nicht verzichten!

T.G.I Friday's, Anchorage
T.G.I Friday's, Anchorage

Mittlerweile steht die Uhr auf 19 Uhr und auf Kochen haben wir heute keine Lust. Warum auch, wenn man sich in einer Großstadt wie Anchorage befindet. Es ist die einzige Stadt Alaskas, die Restaurantketten, wie man sie aus den USA kennt, bietet. Wir müssen nicht lange überlegen und fahren zu T.G.I Friday´s. Camping heißt ja nicht, dass man auf jeglichen Komfort verzichten muss. Es ist ein schönes Gefühl, sich wieder an einem Tisch bedienen zu lassen. Bei der Auswahl der Speisen sind wir nicht zimperlich und bestellen, was uns gerade gefällt. Auch ein Dessert darf nicht fehlen. Es versteht sich von selbst, dass unsere Wahl auf Brownie Obsession fällt. Die Nachspeise besteht aus einem warmen Schokoladenkuchen, einer Kugel vanille Eis überzogen von einer heißen Schokoladensoße. Unser Kalorienbedarf ist jedenfalls gesättigt.

Ärger mit dem Camper, und nun?

Profangasflaschen im Camper
Profangasflaschen im Camper

Mit vollem Magen geht’s zurück zum Creekwood Inn RV-Park. Nach dem Einparken bemerken wir, dass der Kühlschrank schon längere Zeit ausgefallen sein muss. Ohje, was ist nun wieder los. Die Ursache ist zum Glück schnell gelöst, die Profangasflasche ist leer. Als Nik die linke Flasche zugedreht hat und den Hebel zur rechten Flasche umlegen will, folgt das nächste Problem. Das Anschlussventil pfeift so laut, dass wir es im Wagen hören können. Der Wohnmobilvermieter ist so spät abends nur noch über Facebook erreichbar. Prompt kommt eine Nachricht zurück, dass wir das Gasventil über Nacht besser zudrehen sollten. So weit, so gut! Zum Glück soll es heute Nacht nicht kalt werden, denn die Heizung läuft ebenfalls mit Gas. Mit den Nerven am Ende legen wir uns gut zugedeckt ins Bett. Es ist bereits Mitternacht und wir müde von den Ereignissen des Tages.