14. Juli – Atlin Lake, der schönste Fleck für ein Frühstück zu zweit

Ein neuer Tag bricht an. Es ist 7:30 Uhr, als unser nervtötender Wecker zu piepen beginnt. Die erste Nacht im Camper haben wir tief und fest geschlafen. Duschen geht heute nur im Wohnmobil. Sanitäranlagen gibt es keine, jedenfalls nicht auf dem Campingplatz. Ausgeschlafen wagt  Nik sich als Erster in die Duschkabine, die außer einer Duschbrause, ein WC und ein winziges Waschbecken beinhaltet. Es funktioniert besser, als gedacht. Nur der Wasserdruck könnte etwas stärker sein. Allerdings darf man das warme Wasser nicht zu lange fließen lassen, sonst droht eine kalte Dusche. Mehr schafft der Warmwasserspeicher des Truck-Campers anscheinend nicht. Während Sev im Anschluss unter die Dusche hüpft, genießt Nik die kühle und frische Luft am idyllischen Atlin Lake. Eine kleine bewaldete Insel inmitten des Sees erinnert ein wenig an Spirit Island im Jasper Nationalpark. Der Stellplatz ist einfach traumhaft gelegen. Besser kann man einen Tag nicht beginnen, als mit einem leckeren Frühstück bei dieser Aussicht. Wir sind begeistert!

Unser Appetit ist gestillt. Ein letztes Mal wagen wir einen Rundgang durch Atlin und genießen die sonnigen Momente. Besonders für Hobbyfotografen gibt es eine Menge mit der Kamera zu knipsen. Das Landschaftsidyll wird von Touristen oft übersehen oder ausgelassen. Dass wir unsere Rundreise ausgerechnet hier starten, wundert den Platzwart ein wenig. Die meisten kommen am Ende der Reise hierher um zu entspannen. Zurück am Camper kommen wir mit unseren Platznachbarn ins Gespräch, die ebenfalls aus Deutschland stammen. Im Gegensatz zu uns haben sie sich einen Wohnwagen bzw. ein Wohnmobil gekauft. Allerdings haben sie vor, viel länger zu bleiben. So viel Zeit haben wir nicht. Auf uns warten bereits neue Abenteuer im hohen Norden von Kanada.

Atlin Road – Offroad Vergnügen auf dem Weg nach Yukon

Yukon Willkommensschild
Yukon Willkommensschild

Es wird Zeit, Abschied von Atlin zu nehmen. Wir beschließen, weiterzufahren, viel weiter. Unser nächstes Ziel der Reise ist der berühmte Schilderwald in Watson Lake. Bis dorthin liegt noch eine Strecke von über 400 Kilometern vor uns. Die abwechslungsreiche Landschaft entschädigt uns dafür. Das Wetter ist strahlend schön und warm an diesem Tag. Ein letztes Mal genießen wir den Ausblick auf den Atlin Lake, der übrigens in der Sprache der Ureinwohner so viel wie „großes Wasser“ bedeutet. Als Nächstes folgen wir der Atlin Road schnurgeradeaus in Richtung Norden und verlassen Britisch Columbia. Zurück im Yukon Territorium kommt uns das Willkommensschild am Straßenrand für ein Erinnerungsfoto wie gerufen. Kein Mensch außer uns ist weit und breit zu sehen. Busladungen voller Touristen, die mit Kameras bewaffnet Fotomotive belagern, braucht man im Yukon nicht zu fürchten.

Canol Road – Spuren vergangener Zeiten

Autowracks Canol Road
Autowracks Canol Road

Durchstarten lautet unser Motto! Über die Tagish Road geht’s weiter auf dem Alaska Highway. Bis zum nächsten Zwischenziel müssen wir nicht weit fahren.  An einer Kreuzung entdecken wir Autowracks, die unmittelbar an der Canol Road herumstehen. Die Straße wird auch als Canadian American Oil Road bezeichnet. Im Zweiten Weltkrieg sollte hier eine Pipeline zu den Northwest Territories entstehen. Die Pipeline ist längst verschwunden, die Straße blieb. Überreste aus dieser Zeit, darunter Wracks von Fahrzeugen, die für den Bau benutzt wurden, sind noch zu sehen. Es gibt zwar nicht viel zu entdecken, aber ein Zwischenstopp lohnt sich. Wir nutzen die Gelegenheit für eine kurze Mittagspause im Camper. Mit einem vollen Kühlschrank an Bord braucht man sich keine Gedanken darüber machen, wo und wann man etwas zu Essen bekommt. Nik findet das praktisch, da Sev gerade der Magen knurrt.

Teslin – The Spirit of the Yukon

Schon kurz drauf passieren wir das Dorf Teslin, das sich am Teslin River und der Nisutlin Bay befindet. Die Gemeinde Teslin liegt auf halben Weg zwischen Whitehorse und Watson Lake am Alaska Highway. Der kleine Ort war früher ein wichtiger Handelsposten der Hudson Bay Company und ist die Heimat des Tlingit Indianer. Mehr über die Geschichte und die Kultur des Indianerstammes erfahren wir im Teslin Heritage Centre, das etwas außerhalb des Dorfkerns veranschaulicht wird. Am Museum gibt es schöne Totempfähle zu bewundern. Der Name Teslin bedeutet in der Sprache der Ureinwohner „langes schmales Wasser“.

Bevor wir weiterfahren, wird unser Truck Camper an der einzigen Tankstelle, die es weit und breit gibt, vollgetankt. Direkt vor uns ragt die eiserne Nisutlin Bay Bridge über die Bucht. Die Brücke mit ihren sieben Bögen ist die längste auf dem gesamten Alaska Highway. Das Rauschen des Wassers mit der gewaltigen Strömung ist schon von Weitem zu hören. Nach der Überquerung der Bucht führt die Straße auf einen Hügel hinauf. Direkt am Straßenrand gibt es einen Aussichtspunkt. Den Ausblick über Teslin darf man nicht verpassen. Es lohnt sich!

Alaska Highway – einsame Straße durch unberührte Wildnis

Alaska Highway, Schwarzbär
Alaska Highway, Schwarzbär

Nach Teslin taucht der Alaska Highway in die Wälder der weiten unberührten Wildnis ein, nur unterbrochen von der schönen Landschaft des Rancheria Tals. Ohne Pause folgen wir der Straße bis nach Watson Lake, das noch weit von uns entfernt ist. Links und rechts der einsamen Straße gibt es nur Wald, und nochmals Wald. Mit einem Satz, stinkend langweilig! Selbst müssen wir nicht mehr tun als Gas zu geben und zu lenken. Die Richtung gibt Garmin, unser Navi vor. Plötzlich und unerwartet steht ein junger Schwarzbär am Straßenrand. So schnell können wir kaum bremsen. Wie eine Lokomotive kommen wir erst ein paar Hundert Meter weiter zum Stehen. Das ist klarer Nachteil gegenüber einem Mietwagen. Uns bleibt nur ein Foto aus der Ferne. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Bären erblickt man eher selten, da sie sehr scheu sind.

Camping in Nugget City – wenn der Bär brüllt

Es ist schon weit nach 18 Uhr, als wir endlich unseren Campingplatz am Rand von Watson Lake erreichen. Der Baby Nugget RV Park in Nugget City wird für die nächste Nacht unser Zuhause sein. Der Park wirbt damit, dass wir in einem der neuesten und modernsten Wohnmobilplätze angekommen seien. Wir sind gespannt. Neben sauberen Toiletten, Duschen mit eigenen Umkleidekabinen bietet der Park einen Waschsalon, RV Wäsche, ein Restaurant und eine Tankstelle. Es gibt sogar eine Kirche auf dem Gelände, wenigstens für diejenigen, die eine benötigen. Die Nacht kostet uns rund 40 Dollar, inklusiv Strom, Wasser, Dumping versteht sich. Insgesamt hinterlässt der Park einen guten Eindruck.

Es gibt heute Abend nur wenige Camper auf dem Gelände. Deshalb haben wir freie Auswahl. Freiraum um den Truck-Camper gibt es deshalb genügend. Aufgrund des schönen Wetters beschließen wir, zu grillen. Den neuen Gasgrill hat Nik bereits am Vorabend zusammengeschraubt. Also wird es Zeit, ihn endlich einzuweihen. Zu Essen gibt es leckere Steaks und grünen Salat. Hmm lecker! Wir lassen den Tag gemütlich ausklingen. Eine Internetverbindung gibt es nur in der Nähe des Hauptgebäudes. Wir machen uns auf den Weg dorthin. Sev möchte ein paar Bilder auf Facebook posten und Nik beschäftigt die Wettervorhersage der nächsten Tage. Auf dem Rückweg zum Camper brüllt es laut aus dem Busch. Ein Bär? Vor Schreck bleiben wir stehen. Es ist totenstill um uns geworden. Hier inmitten der Wildnis darf man kein Angsthase sein. Schnell eilen wir zurück zum Fahrzeug und bleiben dort die ganze Nacht. Sicher ist sicher!