15. Juli – Watson Lake, das Tor zum Yukon

Watson Lake, Yukon
Watson Lake, Yukon

Heute wird ausgeschlafen. Der Wecker wirft uns erst um 8 Uhr aus dem Bett. Blauer Himmel, wohin man sieht, ruft Nik beim Blick aus dem Fenster. Das Glück scheint auf unserer Seite zu sein. Geduscht wird nicht im Camper, sondern in den Sanitäranlagen des Baby Nugget RV Parks, die sich in einem gepflegten Zustand befinden. Was für eine Wohltat. Es folgt ein ausgedehntes Frühstück. Leider hat sich der Griff des Wasserkessels gelöst, das am zweiten Tag der Rundreise. Jetzt folgt der Höhepunkt des Tages und der Grund unseres Besuchs in Watson Lake. Es ist der berühmte Schilderwald. Der verschlafene Ort, der am Alaska Highway und der Einmündung des Robert Campbell Highway liegt, ist das Tor und Versorgungszentrum der südlichen Provinz Yukon. Mit rund 1450 Einwohnern ist es die drittgrößte Gemeinde des Yukon.

Sign Post Forest – Oldenburg jetzt im Schilderwald

Sign Post Forest, Watson Lake
Sign Post Forest, Watson Lake

Die einzige Attraktion ist das „Sign Post Forest“, eine Ansammlung von Schildern aus allen Herren Ländern. Bei der Ankunft wirkt das Forest wie eine Schilderwand. Man findet Ortsschilder aus Nordamerika, Australien, Brasilien, ebenso Berlin, Hamburg, München – und bald auch Oldenburg. Entstanden ist der Schilderwald aus dem Heimweh eines US-Soldaten heraus, der hier 1942 ein Schild seines Heimatortes angebracht hat. Inzwischen sollen es rund hunderttausend Schilder aller Art sein. Wie viele es tatsächlich sind, lässt sich nur erahnen. Das Sign Post Forest ziert sogar eine kanadische Briefmarke. Mit so einem Ausmaß von Schildern, die weit verteilt an Holzpfählen hängen, haben wir nicht gerechnet. Wir wissen nicht so recht, wo wir zuerst schauen sollen. Man könnte hier einen ganzen Tag damit verbringen.

Allerdings sind wir nicht aus diesem Grund den langen Weg nach Watson Lake gefahren. Im Gepäck befindet sich ein eigenes Schild, das hier seinen Platz finden soll. Es ist ein ganz großer Wunsch auf unserer Bucket Liste. Bereits im letzten Jahr hatten wir das Schild dabei. Leider mussten wir es wieder mit nach Hause nehmen, weil ein Abstecher nach Watson Lake nicht mehr in unsere Route gepasst hätte. Inmitten vom Schilderwald befindet sich ein Tourismusbüro. Zwei nette Damen drücken uns auf unser Anliegen einen Hammer und ein paar Nägel in die Hand, kostenlos versteht sich. Lächelnd wünschen sie uns viel Erfolg dabei. Unser Vorhaben sieht leichter aus, als getan. Selbst nach 30 Minuten findet sich kein freies Plätzchen. Droht unser Vorhaben etwa zu scheitern? Wir sind mit unserem Latein am Ende. Hier sind bereits viele Touristen vor uns mit vollem Einsatz tätig gewesen. Dabei fragen wir uns, wie die vielen deutschen Ortsschilder es in den Yukon geschafft haben. Und das in eine Höhe von bis zu 4 Metern. Nach langer Überlegung kommt uns die erlösende Idee, unser Schild einfach am Rand eines vorhandenen Schildes anzubringen. Natürlich ohne dieses dabei zu beeinträchtigen. Nach ein paar Schlägen mit dem Hammer ist unser Wunderwerk endlich vollbracht und das Schild hängt. Glücklich und zufrieden mit dem Kompromiss machen wir paar Erinnerungsfotos. “ Moin Moin Oldenburg - Niedersachsen“ bereichert ab sofort den Schilderwald im Yukon. Übrigens: Nicht nur Schilder findet man hier. Von Töpfen, Schuhen und anderen Utensilien ist so ziemlich alles dabei.

Alaska Highway – Straße der Wohnmobile

Little Rancheria River
Little Rancheria River

Watson Lake liegt längst hinter uns. Wir folgen dem Alaska Highway in den Norden. Unser Tagesziel ist Whitehorse, das noch 400 Kilometer entfernt ist. Je weiter wir fahren, umso wolkiger wird es. Gefolgt von heftigen Regenschauern. Wegen der Nässe lassen wir die Rancheria Falls am Straßenrand liegen und fahren weiter nach Teslin. Wie schon am Vortag ist die Straße genauso unspektakulär. Schlimmer noch! Eine Karawane von Wohnmobilen zeichnet uns den Weg und verzögert die Fahrzeit. Bis zur nächsten Tankstelle soll uns dieses Hindernis nicht erspart bleiben. In Teslin wird wieder vollgetankt. Dabei werden wir von deutschen Touristen angesprochen, die sich für unseren Truck Camper interessieren. Beim Small Talk erfahren wir, dass sich die netten Leute ein gebrauchtes Modell gekauft haben. Es wundert uns, wie viele deutsche Touristen einen Camper kaufen, anstatt einen zu mieten.

Kaffeepause bei Timi's in Whitehorse

Spätnachmittags erreichen wir endlich Whitehorse, unser Zwischenstopp auf dem Weg zum Kluane Lake. Während der Fahrt ist ein technischer Defekt an der Innenraumbeleuchtung der Fahrzeugkabine aufgetreten. Sie lässt sich einfach nicht mehr ausschalten. Solange die Fahrzeugbatterie nicht darunter leidet, haben wir keine Bedenken. Aber was ist, wenn doch? Auf dem schnellsten Weg rollen wir in die Quartz Road zu unserem Vermieter. Es ist kurz nach 17 Uhr und das Tor ist bereits geschlossen, wie ärgerlich. Darauf gönnen wir uns eine Pause bei Tim Hortons, das in seinem Programm Nutella für sich entdeckt hat. Sev freut das natürlich riesig. Mit einem leckeren Kaffee und einem Snack studieren wir das Handbuch des Fahrzeugs. Leider gibt es keine Problembehebung zu diesem Punkt. Zurück am Camper hat sich das Problem anscheinend von selbst gelöst. Wir sind erleichtert! Im Anschluss geht’s zu Walmart. Schließlich benötigen wir einen Ersatz für den defekten Wasserkessel.

Hi Country RV Park – Campingplatz in zentraler Lage

Hi Country RV Park, Whitehorse
Hi Country RV Park, Whitehorse

Unser letztes Tagesziel ist der Hi Country RV Park, ein Wohnmobilpark am Rand von Whitehorse. Bereits im Vorjahr haben wir mit dem gepflegten Park und den Sanitäranlagen gute Erfahrungen gemacht. Obwohl es mittlerweile schon 19 Uhr ist, sind noch genügend Stellplätze vorhanden. Das haben wir schon anders erlebt. 42 Dollar kostet uns der Stellplatz die Nacht, inklusiv Duschen und WIFI. Das Internet ist allerdings nur die erste halbe Stunde kostenfrei. Strom, Wasser und Dumping sind im Preis inbegriffen. Wir erhalten einen schönen Platz unter Bäumen, mit eigenem Tisch und einer Feuerstelle. Zwischen den Fahrzeugen ist nicht viel Freiraum und der Alaska Highway ist kaum zu hören. Das Wetter hat sich beruhigt und strahlender Sonnenschein verwöhnt uns an diesem Abend. Während Sev im Camper für Ordnung sorgt, fotografiert Nik Eichhörnchen, die uns Gesellschaft leisten.

Auf die zahlreichen Ereignisse der letzten Tage wollen wir uns heute Abend ein richtiges Bier aus dem Yukon gönnen, das wir in einem Schnapsgeschäft in Whitehorse gekauft haben. Es sind nicht nur ein paar Flaschen, sondern ein ganzer Karton mit der Aufschrift Thirst Aid Kit, der Yukon Brewing Company. Der Inhalt besteht aus den Biersorten Ice Dog IPA, Yukon Gold, Yukon Red und Bonanza Brown. Einfach lecker! Bei einer Flasche Bier lassen wir beim Grillen den Abend ausklingen und freuen uns schon auf den nächsten Tag.