25. Juli – Five Finger Rapids, starke Stromschnellen im Yukon

Unser erstes Ausflugsziel sind heute die Five Finger Rapids, nur wenige Kilometer von Carmacks entfernt. 5 Basaltfelsen teilen den Yukon River in 5 Finger. Es sind die einzigen echten Stromschnellen des Flusses und vielleicht die berühmtesten, weil hier Schiffe gesunken oder leckgeschlagen sind. Die Wellen können sich in den Kanalschluchten bis zu zwei Meter hoch auftürmen. Hier kamen in der Zeit des Goldrausches die Schaufelraddampfer vorbei. Einige Schiffe rammten die großen Felsbrocken, als sie hohes Tempo durch die starke Strömung aufnahmen und sanken. Der Aussichtspunkt und Parkplatz liegt direkt am Klondike Highway. Das Wetter ist traumhaft schön an diesem Morgen. Die Sonne steht auf Nordost, ein perfekter Zeitpunkt um die Five Finger Rapids zu fotografieren.

Five Finger Rapids
Five Finger Rapids
Five Finger Rapids
Five Finger Rapids
Five Finger Rapids
Five Finger Rapids

Twin Lakes – Seenlandschaft inmitten der Natur

Twin Lakes, Yukon
Twin Lakes, Yukon

Unsere Reiseroute führt über Carmacks in den Süden des Yukon Territorium. Das schöne Wetter hält an. Ein See nach dem anderen folgt, die sich alle in unterschiedlichen Farben präsentieren. An den Twin Lakes legen wir eine Pause ein. Auf diesem Teil der Erde hat die Natur den Tourismus noch im Griff und nicht umgekehrt. Es gibt sogar einen staatlichen Campingplatz mit Holztischen, Feuerstellen und Toiletten. Wie herrlich! Viel zu beschreiben gibt es nicht, da sprechen Bilder mehr als Worte. Wehmütig beschließen wir, weiter zu fahren. Straßenbaumaßnahmen folgen ununterbrochen und stellen mit ihren großen Schlaglöchern eine Herausforderung für jeden Autofahrer dar. Ob Schotter oder Asphalt, unser Garmin-Navi hält die Straße für eine Off-Road-Piste. Näher kann man der Wildnis nicht sein!

Twin Lakes, Yukon
Twin Lakes, Yukon

Yukon Christmas Tree – geschmückter Weihnachtsbaum in der Wildnis

Während der Fahrt macht Nik eine Entdeckung. Am Rand des Klondike Highway fängt es plötzlich heftig an, zu glitzern. Die Kraft des Sonnenlichts verstärkt das Phänomen. Was mag das wohl sein? Dann traut er seinen Augen nicht, als ein Nadelbaum mit Weihnachtskugeln zum Vorschein kommt. War das wirklich echt? Als Sev auf dem Beifahrersitz davon erfährt, denkt sie an ein Übermüdungsproblem. Es versteht sich von selbst, dass Nik sich das nicht zweimal sagen lässt und an der nächstmöglichen Stelle umkehrt, um den Christmas Tree etwas näher zu betrachten. Jetzt kommt selbst Sev kaum aus dem Staunen heraus.

Christmas Tree, Yukon
Christmas Tree, Yukon
Christmas Tree, Yukon
Christmas Tree, Yukon
Christmas Tree, Yukon
Christmas Tree, Yukon

Fox Lake – entspanntes Picknick am See

Fox Lake, Yukon
Fox Lake, Yukon

Nach der Weihnachtsüberraschung am Straßenrand geht’s immer weiter in Richtung Süden. Zwei Stunden später erreichen wir mit unserem Truck Camper den Fox Lake, der unmittelbar am Klondike Highway liegt. Der See kommt uns zur Mittagspause wie gerufen. Ein Parkplatz direkt am Ufer lädt zum Verweilen ein. Der Fox Lake ist kein unbekannter für uns. Bereits im Vorjahr hat uns der See sehr gefallen. Die Zweisamkeit beim entspannten Picknick ist allerdings nur von kurzer Dauer. Wir bekommen Besuch von einem Einwohner Yukons, der sein Kanu zu Wasser lässt, um auf dem See angeln zu gehen. Die Kulisse könnte dafür kaum schöner sein. Beim Zusehen kommt bei uns ein Gefühl von Neid auf. Leider kann man hier kein Kanu mieten, um auf dem See zu paddeln. Irgendwie lässt uns der Gedanke über eine Kanutour nicht mehr los.

Fox Lake, Yukon
Fox Lake, Yukon

Emerald Lake Kanutour – paddeln auf Yukons magischen See

Emerald Lake, Yukon
Emerald Lake, Yukon

Einmal im Yukon mit dem Kanu zu paddeln, das muss doch möglich sein. Nachdem wir hin und her überlegen, welcher See dafür am besten geeignet sei, kommt uns eine Idee. Irgendwie haben wir in Erinnerung, dass es in der Nähe von Carcross am Spirit Lake einen Kanuverleih gibt. Durchstarten lautet jetzt unser Motto! Wenn wir heute noch eine Kanutour unternehmen wollen, müssen wir Gas geben. Nach gut einer Fahrstunde finden wir vor dem Spirit Lake ein Wilderness Resort, das auch Kanus vermietet. Der Laden kommt für uns wie gerufen. Wir muten uns zu, mit einem Kanu zurechtzukommen. Also mieten wir eins zu einem akzeptablen Preis von nur 35 Dollar für ein paar Stunden. Die Inhaber meinen allerdings, dass der Spirit Lake heute zu viel Strömung mit sich bringe und wir nicht zurück paddeln können.

Uns wird ein besserer Vorschlag gemacht. Anstelle des Spirit Lake wird uns der Emerald Lake empfohlen. Eigentlich ist das eine tolle Idee, wenn da nicht ein kleiner Haken wäre. Wie kommt das Kanu zum See? Sollen wir das Kanu selbst transportieren, etwa mit unserem Truck Camper? Unser Vorhaben soll auch daran nicht scheitern. Wir fangen an, zu handeln und legen 20 Dollar oben drauf für den Transport. Uns wird von einem Angestellten das Boot auf einen Pickup geladen und zum See gefahren. Danach geht alles ganz schnell voran. Bevor wir unser Abenteuervorhaben realisiert haben, sitzen wir bereits im Kanu mitten auf dem Emerald Lake.

Here we go, lautet unser Kanuschrei! Wir haben Glück und dürfen den malerischen See bei bestem Wetter erkunden. Einzigartig ist die türkisgrüne Farbe. Diese entsteht durch abgelagerten Kalkstein, der auf dem Grund des Sees liegt und von der Sonne reflektiert wird. Zusammen mit der Bergkette der Gray Ridge Mountains im Hintergrund ergibt das ein traumhaftes Landschaftspanorama. Kaum haben wir Seemitte erreicht, ändert sich schlagartig das Wasser. Wellen kommen auf! Das Kanu fängt an, kräftig zu schaukeln. Irgendwie brodelt es in unseren Gedanken, dass es wohl doch keine gute Idee war. Besonders, weil wir kaum Erfahrungen im Kanufahren gesammelt haben. Sev wird nervös. Nik übernimmt das Kommando und paddelt allein weiter, um das Gleichgewicht des Bootes zu halten. In diesem Moment müssen wir an unsere Bekannten Verena und Helmut denken, die mit einem Kanu auf einem See gekentert sind. So etwas müssen wir unbedingt vermeiden, schließlich haben wir unsere komplette Fotoausrüstung an Board. Unsere Nussschale schaukelt so heftig, dass wir versuchen, umzukehren. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Emerald Lake, Yukon
Emerald Lake, Yukon

Nach mehreren Versuchen gelingt uns nach einer größeren Welle das schier Unmögliche. Danach wird es stiller um uns. Ohne Anzeichen von Hysterie paddeln wir mit voller Kraft zurück zum Südufer des Sees. Hoffentlich haben die Bustouristen am Parkplatz des Sees nichts von unserer Seenot bemerkt. Wenn der Wind zwischen den hohen Bergen auf den See fällt, wird eine unglaubliche Geschwindigkeit aufgebaut. Die Winde und Strömungen des Sees werden unberechenbar. Zurück im seichten Wasser bleiben wir fortan nur noch in der Nähe des Ufers. Die Zeit auf dem See vergeht wie im Flug. Jetzt beschäftigt uns nur noch eine Frage. Wie kommen wir wieder raus aus dem Kanu? Nik hat selbst dafür eine Lösung und holt mit dem Paddel kräftig aus, um an Geschwindigkeit zuzulegen. Mit voller Fahrt voraus treiben wir zur gleichen Stelle, an der wir gestartet sind. Augen zu und durch! Nach einem starken Knistern und einem kräftigen Rums haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Juhu, unbeschadet und trocken steigen wir aus dem Boot. Eines steht für uns jedenfalls jetzt schon fest. Dieses Erlebnis werden wir so schnell nicht vergessen.

Wheel House Restaurant – Abschiedsdinner nach Yukon Art

In Whitehorse angekommen ist es schon 20 Uhr abends. Unser Aufenthalt im Yukon neigt sich langsam dem Ende zu. Wegen der Kanutour haben wir mächtig Appetit bekommen. Am letzten Abend der Reise wollen wir aber nicht selbst kochen. Wir gönnen uns ein außergewöhnliches kulinarisches Erlebnis mit einem Abschiedsdinner nach Yukon Art. Das beliebte Restaurant Klondike Rib and Salmon im Zentrum der Stadt ist leider hoffnungslos überlaufen. Nach einer Alternative müssen wir nicht lange suchen. Das Wheelhouse Restaurant ist eine gute Wahl. Das Restaurant befindet sich in dem Gebäude der Waterfront Station unmittelbar am Yukon River. Bereits im Vorjahr haben wir dort lecker gespeist. Wie beim letzten Besuch sind wir die einzigen Gäste mit einem Wohnmobil.

Wheelhouse Restaurant, Whitehorse
Wheelhouse Restaurant, Whitehorse
Dinner, Wheelhouse Restaurant
Dinner, Wheelhouse Restaurant
Dinner, Wheelhouse Restaurant
Dinner, Wheelhouse Restaurant

Im Lokal herrscht eine Atmosphäre aus der Zeit der Schaufelraddampfer. Das Ambiente ist wirklich gelungen. Als Hauptspeise gibt es heute ein Nudelgratin mit Bison Hackfleisch. Dazu darf ein echtes Yukon Bier nicht fehlen. Das Essen schmeckt vorzüglich. Besonders als Camper genießt man es umso mehr, an einem gedeckten Tisch zu sitzen. Es ist ein perfekter Abschluss! Mit Wehmut und Freude lassen wir unsere Erlebnisse in Alaska und Yukon Revue passieren. Als wir die Rechnung anfordern, sind bereits zwei Stunden vergangen.

Unser letzter Abend gehört der SS Klondike am Yukon River

Als Nächstes nehmen wir uns Zeit für einen letzten Besuch der SS Klondike. Das Wetter meint es gut mit uns heute Abend. Der Himmel zeigt sein schönstes blau. Das Schiff am Yukon River leuchtet förmlich in der Abendsonne. Deshalb machen wir einen Spaziergang am Flussufer. Später fahren wir zum SKKY Hotel, das gegenüber vom Flughafen in Whitehorse liegt. In dem Hotel haben wir ein gepflegtes Doppelzimmer mit einer richtigen Dusche für die letzte Nacht gebucht. Dort verbringen wir die restliche Zeit des Abends mit dem Aufräumen und säubern des Truck Campers. Ob Außen oder Innen, bei einer Rundreise durch Alaska und Yukon bleibt einem der Staub und Dreck nicht erspart.