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Tok Reisebericht

Tok Reisebericht

63° 19′ N, 143° 1′ W

Tok – Alaska wir kommen!

An Schlaf war die letzte Nacht kaum zu denken. Der Wind war so heftig, dass es eher einem Gefühl entsprach, auf hoher See zu sein. Trotzdem stehen wir schon um 6 Uhr morgens auf. Grund dafür ist der Wetterbericht, der für den Süden Alaskas sonnige Tage ankündigt. In den Duschen trifft man zu dieser Uhrzeit Niemanden. Bereits um 8 Uhr sind wir startklar für die Abreise.

Kaum blickt die Sonne über die Bergränge des Kluane Lake, hat sich der Wind so gut wie verzogen. Na Super! Egal, unser nächstes Ziel lautet Tok oder Glennallen in Alaska. Je weiter desto besser. Der Alaska Highway ist wenig befahren und heute Morgen sieht man keine Menschenseele. In Destruction Bay machen wir einen Zwischenstopp am Kluane Lake, bevor unsere Reise nach Alaska weitergeht.

Burwash Landing – die größte Goldpfanne der Welt

Kurz darauf folgt eine Pause am Straßenrand von Burwash Landing. Dort steht die größte Goldpfanne der Welt, die einen Durchmesser von acht Metern aufweist.

Neben dem Wahrzeichen befindet sich das Kluane Museum, welches Wildtierexponate und Infos über den Nationalpark bietet. Wir schauen uns lieber alte Trapperhütten an.

Hier kann man die Gelegenheit nutzen, einen Rundflug über die Berge und Gletscher des Parks zu starten. Das setzt natürlich gutes Wetter im Nationalpark voraus.

 

Abgefahren – im wahrsten Sinne des Wortes

Während der Fahrt wird uns beim Blick auf die Reifendruckanzeige ganz blass um die Nase. Das rechte Vorderrad zeigt einen erheblichen Unterschied zu den anderen Reifen. Nik hofft zunächst auf einen Systemfehler des Fahrzeugs. Ein schlechter Geradeauslauf lässt uns das Schlimmste vermuten.

Ein Blick auf den Reifen bestätigt unseren Verdacht. Unsere Stimmung kippt und der Gedanke, wo wir in der Wildnis Hilfe bekommen würden, macht es nicht besser. Im Schritttempo rollen wir zu einer Tankstelle in Destruction Bay und erhalten dort einen Hinweis über eine Reifenwerkstatt, die sich gleich um die Ecke befindet. Es gibt einen Hoffnungsschimmer. An der Werkstatt öffnet uns ein alter Mann indianischer Herkunft die Tür und erkundigt sich nach unserem Problem. Unsere Tagesplanung scheint sich gerade in Luft aufgelöst zu haben. Plötzlich tauchen zwei Wohnmobile auf, die ein ähnliches Problem haben. Es sind nette Leute aus Québec in Kanada.

Sie haben sich gestern mitten in der Pampa einen Platten Hinterreifen zugezogen. Jetzt sind sie zur Kontrolle vorbeigekommen. Der Werkstattinhaber fragt, ob er den Leuten zuerst behilflich sein darf. Wir stimmen zu, was bleibt uns auch anders übrig. Währenddessen unterhält sich Sev mit den Frankokanadiern, die sich darüber freuen, französisch sprechen zu dürfen. Mittlerweile ist es schon 10 Uhr, als wir endlich an der Reihe sind. Nach einer gefühlten Ewigkeit erhalten wir die Botschaft, dass der Reifen bereits repariert wurde und nur noch zwei Millimeter Profil aufweist. Auch die restlichen Reifen liegen unter drei Millimeter. Er will uns einen neuen Reifen verkaufen,

da sich der alte Reifen nicht mehr reparieren lasse. Jetzt hilft nur noch die Hotline von Fraserway, unser Wohnmobilvermieter. Das Telefon wird uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Dieser zeigt sich überrascht und bietet uns an, den Reifen gegen Vorkasse mit dem Ersatzrad unter dem Camper tauschen zu lassen. Den defekten Reifen sollen wir wieder unter das Fahrzeug hängen. So weit, so gut. Eine erneute Reifenpanne sei so gut wie ausgeschlossen, wird uns am Telefon versichert. Als wir dem Inhaber das mitteilen wollen, kommt seine Frau aus dem Wohnhaus geeilt. Sie mahnt ihren Mann an, das Mittagessen und die Tabletten nicht zu vergessen.

Dann weißt er uns darauf hin, dass er im Anschluss einen Arzttermin hätte. Hilfe denken wir! Ein Arzt in dieser Gegend aufzusuchen, würde bestimmt Stunden dauern. Unsere Stimmung erhält erneut einen Dämpfer. Bevor er fährt, kommt ein Mann mit einem Auto auf das Gelände gefahren. Er soll es anscheinend übernehmen. Wir sind erleichtert. Nachdem sich das Werkzeug zum Wechseln des Reserverads nicht wie im Handbuch beschrieben unter der Rücksitzbank befindet, kontaktieren wir erneut unseren Vermieter. Unsere Nerven liegen mittlerweile blank. Die nette kleine Aushilfe in der Werkstatt zeigt sich engagiert und findet das nötige Werkzeug gut versteckt unter dem Beifahrersitz. Was sich unter der Rücksitzbank befindet, verraten wir besser nicht. Das Ersatzrad ist so schmutzig, dass man es kaum erkennen kann. Dafür ist es so gut wie neu und weist ein Profil von immerhin acht Millimetern auf. Kaum zu glauben, dass Touristen mit fast abgefahrenen Reifen den Weg über den Dempster Highway wagen. Es ist bereits 13 Uhr und Mittagszeit. Es nützt nichts, das Problem ist noch nicht aus der Welt.

Dann endlich sitzt das Ersatzrad unter der rechten Vorderachse. Jetzt muss nur noch der defekte Reifen unter das Fahrzeug gehängt werden. Plötzlich taucht der Inhaber der Werkstatt wieder auf. Er entschuldigt sich für den Ausfall und meint, dass er dafür einen Tag länger leben darf. Wie er das gemeint hat, das dürfen wir nur erraten. Zusammen schaffen beide endlich den letzten Schritt und der defekte Reifen hängt unter dem Fahrzeug. Juhu, uns fällt ein Stein vom Herzen. Jetzt wollen wir nur noch eines, bezahlen. Beim Blick auf die Kreditkarte antwortet der Inhaber zögerlich und meint, dass er zwar ein Kartenlesegerät besitze, aber es noch nie benutzt hätte. Nichts einfacher als das. Sev folgt den Schritten des Gerätes und hilft dem alten Mann dabei. Mit Erleichterung über das abgewendete Schicksal rollen wir vom Gelände. Auf den Schreck gönnen wir uns in einem Restaurant in Destruction Bay ein Burgermenü. Was haben wir draus gelernt? Der Reifenwechsel eines Truck-Camper ist deutlich aufwendiger, als bei einem PKW.

Alaska Highway – einsame Schotterpiste nach Alaska

Wir sind froh, dass uns das Pech morgens getroffen hat. Abends hätte die Reifenpanne eine traumatisierende Wirkung auf uns gehabt. Bären, Elche und Wölfe sind nur ein paar der wilden Tierarten, die links und rechts der Straße Zuhause sind. Trotzdem wird uns dieses Erlebnis lange in Erinnerung bleiben. Mittlerweile steht der Uhrzeiger schon auf 14 Uhr.

Bis nach Tok müssen wir noch eine Fahrt von vier Stunden und 350 Kilometer überwinden. Jetzt erst recht lautet unser Motto und sausen davon. Leider haben wir wieder kein Glück. Diverse Baustellenarbeiten am Alaska Highway verzögern unsere Ankunft in Tok um ein Einiges. Der Highway ist größtenteils, aber nicht durchgehend, asphaltiert.

Einige Abschnitte sind nur geschottert, außerdem gibt es manchmal Bodenwellen durch das Absinken des Permafrostbodens. Die Strecke auf dem Alaska Highway ist viel einsamer, als wir gedacht haben. Gerade weil es sich um die Hauptstraße zwischen Yukon und Alaska handelt. Am Rand des Highways kommen plötzlich Bären zum Vorschein.

Es ist eine Bärenmutter mit ihren Babys. Sie lässt sich nicht weiter stören und zieht sich nach ein paar Minuten zurück. Als wir später einen Cowboy auf der Straße reiten sehen, trauen wir unseren Augen nicht und fangen laut an, zu lachen. Die Wildnis ist anscheinend immer für eine Überraschung gut.

Port Alcan – Grenzübergang von Yukon nach Alaska

Nach zahlreichen Verzögerungen sind wir endlich am Grenzübergang bei Beaver Creek auf kanadischer Seite angekommen. Müllbehälter an der Straße bieten die letzte Gelegenheit, Restmüll zu entsorgen. Nach einer Weile erreichen wir den Grenzübergang der Vereinigten Staaten und Kanada. Zwischen den Grenzstationen gibt es einen Rastplatz und ein Denkmal über die US-amerikanische und kanadische Freundschaft.

Außer den Willkommensschildern von Alaska und Yukon gibt es eine außergewöhnliche Sitzbank und natürlich einen Grenzstreifen, der durch eine Waldlichtung markiert ist. Am Grenzübergang Port Alcan herrscht kaum Andrang. Wir werden gebeten, das Fahrzeug zu parken und uns ins Gebäude zu bewegen. Der nette Zollbeamte spricht sogar ein paar Sätze auf Deutsch mit uns. Nach den üblichen Formalitäten und Fingerabdrücken wird noch ein Foto von uns gemacht.

In unseren Reisepass wird eine weiße Pappkarte eingeheftet, die wir bei der Ausreise aus Alaska von einem kanadischen Zollbeamten entfernen lassen sollen. Die alte grüne Pappe hat anscheinend ausgedient. Unseren Camper will der Zollbeamte allerdings nicht sehen. Lediglich die Registrierungspapiere für das Fahrzeug sind von Interesse. Diese befinden sich unter der linken Sonnenblende. Nach nicht einmal zehn Minuten sind wir in Alaska.

Tok – Goldnuggets zum Anfassen

Als wir in Tok eintreffen, ist es schon 18 Uhr. Unser erstes Ziel ist das Souvenirgeschäft Alaska Gifts im Zentrum. Wir sind nicht ohne Grund hier. In einer Fernsehdoku haben wir entdeckt, dass in einem Geschäft das größte Goldnugget zu bestaunen gibt, was bisher in Alaska gefunden wurde. Klar, dass wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Im Geschäft sind wir die einzigen Kunden. Schnell kommen wir mit der Verkäuferin ins Gespräch. Sie zeigt uns zwar ein paar Exponate, aber der Richtige ist nicht dabei. Auf Nachfrage verschwindet sie für einen Moment in einer Hintertür und kommt mit einem großen Prachtexemplar zurück. Wir können unseren Augen kaum glauben, als wir das schwere Goldnugget in unseren Händen halten dürfen. Auf unsere Frage, wo das gute Stück gefunden wurde, antwortet sie mit Jack Wide Creek, in der Nähe von Chicken, Alaska.

Tok RV Village – Campingplatz in zentraler Lage

Nach Teslin taucht der Alaska Highway in die Wälder der weiten unberührten Wildnis ein, nur unterbrochen von der schönen Landschaft des Rancheria Tals. Ohne Pause folgen wir der Straße bis nach Watson Lake, das noch weit von uns entfernt ist. Links und rechts der einsamen Straße gibt es nur Wald, und nochmals Wald.

Welcher wäre besser geeignet, als auf dem Tok RV-Village am Alaska Highway. Auf dem Campingplatz sind noch genügend Plätze frei. Wir sichern uns einen in der Nähe der sanitären Anlagen, damit der Weg zur Dusche nicht weit ist. Unser Platz liegt unter Bäumen mit eigenem Tisch und einer Feuerstelle.

50 Dollar kostet uns der Stellplatz die Nacht, inklusiv Duschen und WIFI. Das Internet ist allerdings nur die erste Stunde kostenfrei. Strom, Wasser und Dumping sind im Preis inbegriffen. Der Park hinterlässt einen sehr gepflegten Eindruck. Einige Fahrzeuge geben eher den Anschein einer richtig ausgestatteten Wohnung.

Dagegen sind wir mit unserem Truck-Camper bescheiden eingerichtet. Vielleicht ist es das einzige Zuhause, was diese Leute besitzen? Egal, uns knurrt der Magen. Damit es schnell geht, gibt es Nudel und Rindergulasch aus der Pfanne. Danach fallen wir todmüde ins Bett.

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