Reisebericht Alaska und Yukon mit dem Wohnmobil – die Fortsetzung

Reiseplanung Alaska-Yukon 2015
Reiseplanung Alaska-Yukon 2015

Warum ausgerechnet Alaska oder Yukon, ist es dort nicht kalt? Diese Frage wird uns öfter gestellt, als vermutet. Erstens muss es nicht immer Strandurlaub sein, wohin sich die Touristen meistens begeben. Zweitens ist es nicht kalt, zumindest nicht im Juli, wenn wir dort sind. Es gibt sicherlich Regionen, die gerade einen Monat schneefrei sind, aber dorthin wollen wir sowieso nicht. Deshalb zieht es uns wieder in den wilden Norden Amerikas mit seinen mächtigen Bergen, Gletschern, Seen, Flüssen und der grandiosen Tierwelt. Genau vor einem Jahr haben wir diese Reise schon einmal gewagt. Trotzdem wissen wir nicht, was uns dieses Mal erwartet. Für unsere Fortsetzung haben wir zwei Wochen eingeplant, von Mitte bis Ende Juli, mitten im Sommer. In Regionen, die wir in stundenlangen Fahrten durchqueren werden. Gesagt, gebucht! Das bereits 8 Monate vor Reisebeginn.

Reisetipp – Camper oder Mietwagen?

Welches Fahrzeug ist besser geeignet für eine Rundreise in Alaska und Yukon? Wofür man sich entscheidet, ist letztlich eine Frage des Geschmacks oder Reisetyps. Mit dem Wohnmobil ist man flexibel und hat das eigene Bett immer dabei. Egal, ob Kühlschrank, Herd oder Bad, das rollende Wohnzimmer ist im Huckepack dabei. Urlaub machen, wo das Wetter am schönsten ist. Das bedeutet Freiheit, täglich neu zu überlegen, wo die Reise hingeht. Die Kosten halten sich oft die Waage. Von Mai bis September ist der Reisezeitraum in Alaska und Yukon verhältnismäßig kurz. Bei einer Mietwagenrundreise kann deshalb die Suche nach einer geeigneten Unterkunft wegen knapper Zimmerkapazitäten von Hotels, Motels oder Pensionen zeitraubend sein. Das spiegelt sich auch im Preis- und Leistungsverhältnis wieder. Dafür gibt es mehr Komfort, wie TV, WLAN oder ein richtiges Bett oder Bad. Camper haben es bei der Suche einfacher. Öffentliche und private Campingplätze gibt es fast überall. Eine Reservierung ist selten erforderlich. Im Mietwagen lebt man aus dem Koffer, im Wohnmobil gibt’s Schränke, die nicht ständig aus - und eingeräumt werden müssen. Dafür ist das tägliche Abwaschen, Putzen, Dumpen, Wasser auffüllen und Stromkabel aufwickeln Programm. Essen gehen kann man bei beiden Reisearten. Essen selbst zubereiten ist ein klarer Vorteil eines Campers. Man kann essen, wann und worauf man Lust hat. Man muss es nur selbst einkaufen. Mietwagenfahrer sind auf Restaurants und deren Öffnungszeiten sowie Küchenqualität angewiesen. Außerdem sind sie teurer als in anderen Reiseregionen und meistens nur in Orten vorhanden. Unserer Meinung nach ist das Wohnmobil im hohen Norden von Amerika das richtige Fahrzeug für eine Rundreise. Ein Truck Camper ist nicht nur ein idealer Reisebegleiter, sondern ein gelungener Kompromiss zwischen Fahrkomfort und Wohnmobil.

12. Juli – Abflug nach Whitehorse

Condor Schalter, Fraport
Condor Schalter, Fraport

Es ist Boarding Time. Mit genau 30 Minuten Verspätung geht’s per Shuttle Bus zum Außengelände des Frankfurter Flughafens, wo sich unser Flugzeug bereits auf einer Parkposition befindet. Condor ist die einzige Airline außerhalb Kanadas, die einen Direktflug nach Whitehorse anbietet. Gebucht haben wir die Tickets direkt auf der Internetseite der Fluggesellschaft. Der Flug ist fast ausgebucht und der Sitzabstand in der Economy mit rund 76 cm alles andere als üppig. Unserer Meinung nach rechtfertigt das den Mehrpreis für die Premium-Economy noch lange nicht, schon gar nicht in der Hochsaison. Das Premium Programm des Board Entertainent kostet 8 Euro pro Person, immerhin einen Euro mehr als im Vorjahr. Neben zahlreichen TV-Serien sind auch Blockbuster im Programm. Kopfhörer haben wir dieses Mal dabei. Diese hätten unsere Reisekasse sonst um weitere 4 Euro erleichtert.

Ready for take off!

Flug nach Whitehorse
Flug nach Whitehorse

Während der Flugstrecke, die über neun Stunden andauert, vergeht die Zeit wortwörtlich wie im Flug. Immerhin werden zwei Mahlzeiten serviert. Als Hauptgericht gibt es heute nicht wie üblich Chicken oder Pasta, sondern nur Pasta. Vegetarisch versteht sich! Fleischhaltige Gerichte sind anscheinend nur noch den höheren Buchungsklassen vorbehalten. Beim Blick aus dem Fenster wird das Packeis von Grönland sichtbar. Auch zahlreiche Gletscher und Berge können wir zwischen den Wolkenfeldern entdecken. Die Landschaft ist sehr beeindruckend. Während des Fluges kommen wir mit einem deutschen Auswanderer ins Gespräch, der schon seit 17 Jahren im tiefen Yukon Territorium lebt. Es ist ein Leben ohne fließend Strom und Wasser. Für uns kaum vorstellbar. Plötzlich wird zwischen den Wolken das grüne Band des Tagish Lake sichtbar und der Pilot setzt zur Landung an.

Willkommen in Kanadas hohen Norden – the True North

Landung in Whitehorse
Landung in Whitehorse

Inmitten der Wildnis erscheint eine Landebahn am Rand einer kleinen Stadt. Es ist Whitehorse, die Hauptstadt des Yukon Territorium. Die Provinz ist größer als Deutschland, Belgien, Dänemark und die Niederlande zusammen und fast menschenleer. Willkommen in „Canadas True North“, wie sich der wahre Norden Kanadas gerne bezeichnet. Nach der Landung macht der Pilot am Ende des Rollfeldes eine Kehrtwendung und rollt bis zum Gate des Flughafens. Die Beamten am Immigrationsschalter warten bereits in kleinen Holzhütten und arbeiten zügig den Ansturm von Touristen ab. Nach ein paar Formalitäten sitzt der Stempel im Reisepass. Dafür geht es beim Band für die Kofferannahme nur schleppend voran. Kaum in der Flughafenhalle angekommen, werden wir bereits von Wohnmobilvermieter Fraserway empfangen, mit dem wir den Abholtermin bereits im Vorfeld per E-Mail vereinbart hatten. Sehr praktisch!

Let´s go – das nächste Abenteuer beginnt!

Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway

Zusammen mit weiteren Touristen geht’s zur Station des Vermieters, der seinen Sitz in einem Gewerbegebiet am Rand von Whitehorse hat. Die Aufnahme ist wie gewohnt vorbildlich. Dieses Mal gibt es sogar ein kleines Buffet zur Begrüßung. Die Formalitäten sind schnell erledigt, alles in deutscher Sprache versteht sich. In einem Crashkurs für Caravan-Anfänger wird uns gezeigt, wie alles funktioniert: Gasflasche, Stromanschluss, Frisch- und Abwasser, Chemo-WC, Licht, Frischwasser und Heizung sind nur ein paar Auszüge. Als Wiederholungstäter kennen wir die meisten Dinge schon. Neugierig entdecken wir unser neues rollendes Wohnzimmer. Am Ende dürfen wir uns noch in einem Regal bedienen, in dem sich übrig gebliebene Lebensmittel und Campingzubehör sämtlicher Vormieter stapeln.

Unser Camper hinterlässt einen guten Eindruck. Besonders das Fahrgestell Marke Dodge Ram 3500 4x4 Cummins, das über einen Dieselmotor mit 369 PS, 6,7 Liter cbm und 10 Zylinder verfügt. Mit rund 7 Meter Länge, über 2 Meter Breite und fast 4 Meter Höhe ist das Ding einfach riesig und flößt Respekt ein. Besonders der Motorensound hinterlässt einen mächtigen Eindruck. Mit fast 35 tausend Kilometern auf dem Tacho und einer Wohnkabine mit einem Alter von unter 2 Jahren sind wir mehr als zufrieden. Im Vergleich zum Vorjahr besitzt unser Truck Camper dieses Mal einen Slide-Out, der mehr Bewegungsfläche in der Wohnkabine schafft. Die Dinette (Sitzbereich mit Esstisch) lässt sich bei stehendem Fahrzeug seitlich ausfahren. Ein weiterer Unterschied ist der sparsamere Dieselmotor und ein größerer Frisch- sowie Abwassertank. Bevor wir vom Gelände rollen, checken wir das Fahrzeug. Dazu gehört: Fenster und Dachluken schließen, Wasserpumpe und Heizung ausschalten, Stromkabel einholen, Slide-Out einfahren und Trittleiter einklappen. Wer sich das alles nicht merken kann, der findet dafür eine Checkliste unter der Sonnenblende.

Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway
Truck Camper, Fraserway

Großeinkauf für einen Wildnis-Roadtrip

Großeinkauf in Whitehorse, Yukon
Großeinkauf in Whitehorse, Yukon

Der Riese fährt sich super. Wir thronen wie in einem LKW und haben den vollen Überblick. Als Nächstes folgt ein Besuch bei Real Canadian Superstore, unser erster Großeinkauf der Rundreise. Der Supermarkt in Whitehorse ist Treffpunkt vieler Camper. Aus Erfahrung haben wir eines gelernt: wer zuletzt einkauft, muss sehen, was übrig bleibt. Spätestens am nächsten Vormittag stürzen sich die Camper auf das Ladensortiment. Bis das wieder aufgefüllt wird, können Tage vergehen. Im Vorjahr haben wir diese Erfahrung gemacht. Besonders die Preise sind weitaus höher als bei uns in Deutschland. Zum Glück haben wir auch wieder eine Einkaufsliste vorbereitet, um nicht den Überblick zu verlieren. Schließlich wird man schnell von unbekannten Marken und Verpackungsgrößen abgelenkt. An der Kasse sind wir zwar um 200 Dollar ärmer, haben dafür aber einen Einkaufswagen voller Leckerbissen..

Reisetipp für die Einkaufsliste

Lebensmittel:
Salz, Zucker, Pfeffer, Gewürze, Toastbrot, Bagels, Margarine, Nutella, Marmelade, Milch, Joghurt, Käse- und Wurstaufschnitt, Grillfleisch, Obst, Gemüse, Eier, Pasta, Reis, Senf, Ketchup, Saucen, Cornflakes, Speiseöl, Kaffee, Tee, Wasser, Säfte, Softdrinks, Bier, Süßigkeiten, Kekse
Ausstattung:
Mülltüten, Spülmittel, Reinigungsmittel, Insektenspray, Gummihandschuhe, Schwamm, Scheuertücher, Camping-Toilettenpapier, Taschentücher, Küchenrolle, Kaffeefiltertüten, Alufolie, Frischhaltefolie, Kerzen, Pappteller, Plastikbesteck, Tischsets, Salatschüssel, Camping-Toaster, Bratpfanne, Grill mit Propanflaschen
Hinweis:
Vor dem Einkauf muss das Inhaltsvermögen des Kühlschranks und der Schränke überprüft werden. Wir übernehmen keine Gewähr für die Vollständigkeit der Liste.

Spritztour durch Whitehorse

SS Klondike, Whitehorse
SS Klondike, Whitehorse

Mittlerweile ist es spät geworden. Schnell vergisst man, dass die Sonne zu dieser Jahreszeit im Yukon kaum untergeht. Für die Übernachtung haben wir direkt am Flughafen ein relativ kostengünstiges Hotel gefunden. Das Zimmer ist typischer zwei Sterne Standard, wie es in Nordamerika üblich ist. Auf dem Weg dorthin machen wir eine Spritztour durch Whitehorse und halten an der SS Klondike, einem Schaufelraddampfer aus der Zeit des Goldrausches und Wahrzeichen der Stadt. An der Uferpromenade wie ein Blickfang ausgestellt, kommt man einfach nicht daran vorbei, ohne anzuhalten. Das Schiff am Yukon River leuchtet förmlich in der Abendsonne. Was für ein magischer Moment und das am ersten Abend! Erst als wir wieder loslassen können, geht’s weiter zum SKKY Hotel, wo wir die erste und letzte Nacht der Reise in einem gepflegten Doppelbett verbringen werden. Good night!